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Wohnbauentwicklung Hacklberg: Skandalöser Akt der Landschaftszerstörung?

Wohnbauentwicklung Hacklberg

ÖDP-Stadtrat Paul Kastner nennt die Entscheidung, den Flächennutzungsplan im Bereich zwischen der bestehenden Bebauung Am Wimhof und Jägerreuth zu ändern und dort eine städtebaulich geeignete Fortführung der Wohnbebauung in Hacklberg zu ermöglichen, "skandalös" und einen "Akt der Landschaftszerstörung".

Diese harsche Verurteilung unterschlägt jedoch, dass mit der Änderung des Flächennutzungsplans ein durch das Büro Wenzl Architekten und dem Landschaftsbüro Brenner, Landshut, erarbeitetetes Grünkonzept verbunden ist. Die Siedlungseinheiten werden durch vorhandene natürliche Grünzüge der Seitentäler und Bachdobel gegliedert. Damit entsteht eine lockere Folge kleinerer Siedlungseinheiten und ein zusammenhängender grüner Stadtteil, der durch die Siedlungsränder gut in den Landschaftsraum eingebunden ist und der mit Wegen auch fußläufig gut vernetzt ist. Eine solche Wohnbebauung ist keine Landschaftszerstörung, sondern fügt sich in die Landschaft ein. Die wertvollen naturnahen Landschaftsbestandteile werden mittels des Landschaftsplans, der Teil des Flächennutzungsplans ist, gesichert.

In einem solchen in ein Grünkonzept eingefügten Wohnen nur einen Akt der Landschaftszerstörung, des Flächenfraßes und der Bodenversieglung zu erkennen, übersieht, dass mit einer solchen Planung nicht nur der in Passau hohen Nachfrage nach Wohnhäusern entsprochen wird, sondern dass durch den Landschaftsplan die ökologisch wertvollen Flächen überhaupt erst gesichert werden. Bisher hindert die Grundeigentümer nichts daran, wertvolle ökologische Flächen in Maisäcker zu verwandeln und die sind, wie bekannt, ökologische Wüsten.

Stadtrat Kastner befindet sich im Irrtum, wenn er glaubt, die Festsetzung "Landschaftliches Vorbehaltsgebiet" im Regionalplan diene dazu, Bauleitplanung für Wohnen zu verhindern. In diesen weiträumig in der Landschaft festgesetzten Vorbehaltsgebieten soll die Eigenart folgender charakteristischer Landschaftselemente

  • naturnahe, artenreiche Wälder
  • Wiesentäler
  • Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Trockengebüsche
  • Hochemoore, Niedermoore
  • Fliesgewässer mit naturnahen Auenbereichen
  • Altwässer
  • Naturnah stehende Gewässer
  • Flachwasser- und Uferbereiche

erhalten werden.

Solange diese Landschaftselemente erhalten bleiben, steht im Rahmen des Regionalplans einer Bauleitplanung mit Wohnbebauung nichts im Wege. Der Zweck der Festsetzung "Landschaftliches Vorbehaltsgebiet" ist also nicht das Verbot einer Wohnbebauung, sondern der Erhalt der oben genannten charakteristischen Landschaftselementen.

Ein Bauverbot ist nur mittels eines Landschaftsplans, der Bestandteil eines Flächennutzungsplans ist, möglich oder in einem Grünordnungsplan, der Bestandteil eines Bebauungsplans ist. Wenn also zum Beispiel der Erhalt der Obstwiese in Sturmsölden gesichert werden soll, dann kann das nur durch eine Flächennutzungsplanänderung mittels Landschaftsplan oder Aufstellung eines Bebauungsplans mittels Grünordnungsplan erfolgen. Niemand könnte unter den jetzigen Bedingungen den Eigentümer daran hindern, die Bäume der Obstwiese zu fällen und die Wiese in ein Maisfeld zu verwandeln.

Am dramatischen Artenschwund ist nicht Wohnbebauung, bei der mit sorgfältiger Bauleitplanung wertvolle Landschaftsbestandteile sowie Fauna und Flora überhaupt erst wirklich geschützt werden, schuld, sondern in erster Linie die industrialisierte Landwirtschaft.

 

Klaus Schürzinger

21.07.2015