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Aktuelles

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Hochwasserschutz Straubing-Vilshofen und Passau

Auswirkungen des Hochwasserschutzbaus Straubing -Vilshofen auf Passau


Forderungen des Bürgerforums und des Bundes Naturschutz

Umdenken beim Bund Naturschutz

Problem der Überlagerung Inn-Donau

Neutralität des Hochwasserschutzes für Unterlieger

Auswirkung der Dammbrüche in Winzer und Fischerdorf auf Passau

 

Begriffserklärungen

Deichrückverlegung = Rückdeichung = Fließpolder

Der bestehende Deich wird entfernt. Ein neuer Deich in größerer Entfernung zum Fluss gebaut.

Vorteil: Natürlicher Wasserrückhalt durch Erhalt von Überschwemmungsgebieten; Entstehung und Erhalt auenähnlicher Biotope; Verlangsamung des Hochwasseranstiegs

Nachteil: Einschränkung landwirtschaftlicher Nutzung, Kappung der Hochwasserspitze nicht möglich, da zum Zeitpunkt der Hochwasserspitze bereits geflutet; Schnakenplage

Gesteuerte/steuerbare Polder = steuerbare Flutpolder = Staupolder

Niederungsflächen, die zum Zeitpunkt der Hochwasserspitze geflutet werden.

Vorteil: Schutz der Unterlieger durch Kappung der Hochwasserspitze; Landwirtschaft bleibt möglich

Nachteil: Keine ökologische Aufwertung der Polderfläche; Günstigster Flutungszeitpunkt kann verfehlt werden

Schüttung

Wasserführung eines Flusses in Kubikmeter pro Sekunde.

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Dr. Anton Huber vom Bürgerforum Umwelt und Herr Karl Haberzettl vom Bund Naturschutz fordern den Stadtrat der Stadt Passau auf darauf zu dringen,

  1. die Flächen der Rhein-Main-Donau AG unverzüglich für Rückdeichungen einzusetzen

  2. die Gewichtung von gesteuerten Flutpoldern und Rückdeichungen zugunsten der Rückdeichungen zu verschieben

  3. und die notwendige länderübergreifende Inn Studie mit allen Nachdruck voran zu treiben.

Zu 1.

Dr. A. Huber und Herr K. Haberzettl gehen offensichtlich davon aus, dass im Bereich der Strecke Straubing-Vilshofen Flächen im Eigentum der Rhein-Main-Donau AG (RMD)vorhanden sind, die für Rückdeichungen geeignet sind. Die Flächen gehören aber nicht der RMD AG, sondern sind Eigentum des Bundes. Diese Flächen stehen bereits jetzt für die Planungen der Wasserstraße und des Hochwasserschutzes zur Verfügung. Die RMD AG hat den Erwerb der Flächen im Namen und auf Rechnung des Bundes nur ausgeführt.

Prof. R. Metzka stellt in einer Studie fest, dass weitere Polder in nennenswertem Umfang nur aktiviert werden könnten, wenn ein sehr hoher Aufwand an zusätzlichen Deichlinien und Aussiedlungen betrieben wird. Die Umsetzung erachtet er als sehr schwierig, da damit verbunden ein sehr hoher Landverbrauch entstehe.

Was aber Passau aufhorchen lässt, ist die Aussage in der Studie HWS Straubing-Vilshofen (Prof. R. Metzka), dass „es nicht ausgeschlossen werden kann, dass durch weiter gezielte Flutungen von Poldern oberhalb der Isarmündung sich Dämpfungen in der Überlagerung der Donau mit der Innwelle für Passau ergeben. Dies müsste jedoch erst noch untersucht werden.“ Dem müsste nachgegangen werden.

Zu 2.

Eine Änderung der Gewichtung von gesteuerten Poldern zu Gunsten von Rückdeichungen dürfte im verplanten Bereich des Hochwasserschutzes zwischen Straubing und Vilshofen schwierig sein und in diesem begrenzten Bereich zu einer Verlangsamung des Anstiegs der Donauwelle wenig beitragen können. Eine Änderung der Gewichtung gesteuerte Polder /Fließpolder sollte aber wegen der höheren ökologischen Wertigkeit der Fließpolder und wegen der verlangsamenden Wirkung auf den Hochwasserabfluss, die für Passau wegen der Verringerung der Überlagerung Inn-Donau von Bedeutung ist, nicht nur im Bereich Straubing-Vilshofen, sondern im gesamten Verlauf der Donau bedacht werden.

Zu 3.

Die Forderung, eine länderübergreifende Inn Studie mit allen Nachdruck voran zu bringen, ist voll zu unterstützen. Sie liegt im großen Interesse der Stadt Passau.

 

Umdenken beim Bund Naturschutz

Die Beschreibung der typischen Hochwassersituation in Passau durch Dr. A. Huber und Herrn K. Haberzettl unterscheidet sich wohltuend von Verlautbarungen des Umweltschutzes in der Vergangenheit. Vorbei sind offensichtlich die Zeiten, als BN-Vorsitzender Prof. Dr. H. Weiger den Passauer Stadträten erklärte, dass in Passau die Hochwasserspitzen von Donau und Inn nur um Stunden auseinander liegen und dass die "Kanalisierung" der Donau durch den Ausbau zwischen Straubing und Vilshofen den Hochwasserabfluss derart beschleunige, dass die Hochwasserspitzen von Donau und Inn in Passau endgültig mit verheerenden Folgen zusammen fallen. Als Wasserbauer Prof. Th. Strobl im Umweltausschuss am 06.11.2006 im Stadtrat dagegen feststellte, dass die Hochwasserspitzen von Inn und Donau seit jeher 2 – 2,5 Tage auseinander liegen, und dass das der Normalfall sei und sicherlich auch bleiben werde, weil sowohl die Donau als auch der Inn beschleunigt wurden, da bezichtigte ihn Herr Helmut Steininger vom Bund Naturschutz der bewussten Falschinformation.

Neu ist auch, dass der Bund Naturschutz gesteuerte Flutpolder zur Kappung der Hochwasserspitze des Inns für notwendig hält, wo er doch solche „Staupolder“ bisher ablehnte als „sektorale, rein technisch gesteuerte Badewannenlösungen“, die mit Ökologie nichts zu tun haben, weil sie keine „auentypische Biozönosen“ ermöglichen. Auch auf der Donau werden sie nun neben Fließpoldern akzeptiert, weil klar ist, dass die Dammbrüche in Winzer und Fischerdorf beim Hochwasser 2013 wie gesteuerte Flutpolder wirkten und die Unterlieger bis Vilshofen vor weiteren Dammbrüchen schützten.

Die Erkenntnis setzt sich auch beim Bund Naturschutz durch, dass Passau zu seinem Schutz in erster Linie eine Kappung der Hochwasserspitze des Inns durch gesteuerte Flutpolder im Oberlauf des Inns braucht und dass der Bau von Fließpoldern im Oberlauf des Inns  die Innwelle verlangsamt und damit die Gefahr der Überlagerung von Inn- und Donauwelle vergrößert.

Dagegen ist eine Kappung der Hochwasserspitze der Donau für Passau bedeutungslos, weil bei deren Ankunft in Passau die Pegel bereits fallen. Der Scheitelabfluss des Inns fällt sehr schnell ab. Beim Hochwasser 2013 zum Beispiel, ging der Abfluss von 6.800 m³/s am 03.06. um 16.00 Uhr auf 2.800 m³/s am 04.06 um 17.00 Uhr zurück, d. h., dass die Schüttung des Inns um 4.000 m³/s abgenommen hat, mehr als die Donauspitze mit 3.400 m³/s überhaupt an Schüttung bringt. Die Hochwasserspitze der Donau erreichte Passau erst am Abend des 06.06. 2013.

 

Ist die Überlagerung Inn-Donau das große Problem?

Es gibt jedoch ein falsches Bild, wenn mit Verweis auf Prof. Helmut Bernhart als Gewährsmann der rasche Anstieg der Donauwelle und ihre Überlagerung mit der Innwelle als entscheidendes Risiko für Passau dargestellt wird. Dieses bleibt die Innwelle, die mit ihren gewaltigen Wassermassen die Donau bis über Kachlet hinaus aufstaut und dadurch die verheerenden Pegelstände entlang der Donau in Passau verursacht.

Richtig aber ist auch, dass, wie Dr. Huber und Herr Haberzettl zu Recht feststellen, dass im Moment der Hochwasserspitze des Inns sich der Pegelstand aus der Summe der Überlagerung von Inn und Donau ergibt. Je geringer der Anstieg der Donauwelle zum Zeitpunkt der Hochwasserspitze des Inns ist, desto geringer ist der Überlagerungseffekt und desto niedriger sind die Höchstpegel in Passau. Es ist also im Interesse der Stadt Passau, dass die Donau zum Zeitpunkt der Hochwasserspitze des Inns noch möglichst wenig angestiegen ist.

Die Neutralität des Hochwasserschutzbaus Straubing-Vilshofen für Passau

Es kommt darauf an, dass die Neutralität des Hochwasserschutzbaus auf der Strecke zwischen Straubing und Vilshofen für die Unterlieger gegeben ist. Die Maßnahmen des Hochwasserschutzes im genannten Bereich dürfen nur genehmigt werden, "wenn ... insbesondere eine erhebliche und dauerhafte, nicht ausgleichbare Erhöhung der Hochwasserrisiken nicht zu erwarten ist ... " (Wasserhaushaltsgesetz §68(3)). Die komplexen Berechnungen des Wasserwirtschaftsamtes ergaben, dass durch den Hochwasserschutzausbau Straubing-Vilshofen bei einer donaubetonten Welle der Pegel Vilshofen am Scheitelpunkt der Donauwelle um maximal 9 cm erhöht wird, was einer Erhöhung der Schüttung der Donau um 60 m³/s entspricht. Bei einer isarbetonten Welle wird der Pegel Vilshofen durch den Ausbau gegenüber dem Vergleichszustand um maximal 13 cm erhöht, was einer Erhöhung der Schüttung der Donau um 130 m³/s entspricht.

Ob diese 9 bzw. 13 cm für Vilshofen nun eine erhebliche Verschlechterung darstellen oder nicht, muss eventuell juristisch geklärt werden. Jedenfalls übertragen viele Passauer diese für den Pegel Vilshofen im Scheitel errechneten Daten unbesehen auf Passauer Verhältnisse und befürchten, dass die Höchstpegel in Passau um 9 bzw. 13 cm steigen werden. Sie werden sicherlich gegen jeden cm mehr kämpfen, angespornt durch Prof. Bernhart, der die Passauer auffordert, sich keine Verschlechterung gefallen zu lassen, und sei es auch nur 1 cm. Im Gegenteil sie sollen auf der Forderung einer 10%igen Verbesserung bestehen, was aber auf den 72 Kilometern der Strecke Straubing Vilshofen als unmöglich zu bewerkstelligen erscheint. Und selbst wenn eine solche Verbesserung zu erzielen wäre, wäre dies für Passau ohne Bedeutung, weil die Höchststände der Donau in Passau durch den Rückstau der Innwelle verursacht werden. Das ist ja auch der Grund, warum des Wasserwirtschaftsamt mögliche Auswirkungen des Hochwasserschutzes für Vilshofen berechnet und nicht für Passau.

Die genannten 9 bzw. 13 cm lassen sich nicht auf Passau übertragen. Es wäre geradezu sinnlos, für Passau Auswirkungen des Hochwasserausbaus auf der Strecke Straubing/Vilshofen berechnen zu wollen, wo doch die Passauer Donaupegel durch die Stauwirkung des Inns bestimmt werden. Trotzdem wird immer wieder geschrieben, der Hochwasserschutzausbau der Donau würde die Pegelstände in Passau um 13 cm erhöhen. Die Berechnung der Auswirkungen kann sinnvoll nur für Vilshofen erstellt werden.

Erstens ist nicht geklärt, ob die 60 m³/s bzw. 130 m³/s mehr in Vilshofen bei größerem Flussquerschnitt in Passau dort einer Wasserspiegelerhöhung von 9 bzw. 13 cm entsprechen.

Zweitens werden diese Werte erst im Scheitel der Donauwelle erreicht, also zu einem Zeitpunkt, da die Hochwasserwelle des Inns schon abgeklungen ist und eine Scheitelerhöhung in Passau deshalb nicht mehr möglich ist, weil die Hochwasserspitze des Inns der der Donau um zwei Tage voraus geht und das Fallen des Inns Raum schafft für die Hochwasserspitze der Donau.

Und drittens ist für eine eventuelle Überlagerung Inn-Donau nicht die Erhöhung im Scheitel der Donauhochwasserwelle von Bedeutung, sondern die beim Anstieg der Donau. Die aber beträgt bei steigender Donau natürlich nicht von Anfang an 9 bzw. 13 cm, sondern baut sich erst allmählich auf. Das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf teilt mit Stand vom Sept. 2013 mit, dass sogar erst ab einem ca. 50-jährlichen Hochwasser eine Abflusserhöhung erfolgt. Im Mittel ereigne sich bei etwa jedem dritten Hochwasser eine ungünstige Überlagerung Inn-Donau. Nur in sehr seltenen Fällen (im Mittel seltener als 150 Jahre) sei ein geringfügig höherer Wasserstand möglich.

Hat der Dammbruch in Winzer und Fischerdorf Passau vor einem noch größeren Hochwasser verschont?

Das ist nicht der Fall. Der Damm im Winzer brach am 04.06. um 10:45 Uhr und der in Fischerdorf kurze Zeit später. Die Pegel in Passau, die am Vortag, den 03.06., um 12:30 Uhr ihren Höchststand erreichten, waren zum Zeitpunkt der Dammbrüche bereits am Fallen, da die Schüttung des Inns von 6.800 m³/s bis zum Abend des 04.06 auf 2.800 m³/s zurück ging. Der „Untergang“ Passaus war zum Zeitpunkt der Dammbrüche bereits geschehen.

Fazit

Es lässt sich mit guten Gründen sagen, dass der Ausbau des Hochwasserschutzes zwischen Straubing und Vilshofen nur eine minimale Verschlechterung der Hochwassersituation in Passau bewirken kann. Dennoch ist es für Passau wünschenswert, dass auf dem ganzen Oberlauf der Donau Fließpolder eingerichtet werden, um durch eine Verlangsamung der Donauwelle die Gefahr einer Überlagerung Inn-Donau durch einen schnellen Anstieg der Donauwelle zu verringern.

Entscheidend für Passau wird jedoch sein, ob durch den Bau von gesteuerten Flutpoldern im Oberlauf des Inns eine Kappung seiner Hochwasserspitze wenigsten um ein paar Dezimeter zu erreichen ist.

 

Klaus Schürzinger

25.01.2015