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Das große Ökostrom-Missverständnis

Liebe Frau Gottinger,

In Ihrer Einführungsrede zur Ausstellung "Was wäre wenn ...? forderten Sie den ausschließlichen Bezug und Vertrieb von Ökostrom durch die Stadtwerke.

Diese Forderung bekräftigt den Willen der Bevölkerung nach schnellstmöglichen Austritt aus der Atomstromerzeugung und nach Beförderung der Energiewende und ist insofern berechtigt.

Bezugnehmend auf einen Artikel in der SZ "Das große Ökostrom-Missverständnis" weise ich allerdings darauf hin, dass laut einer Studie des Umweltbundesamtes Ökostrombezug für die Energiewende so viel wie gar nichts bringt. Dass die Energiewende Fortschritte macht, ist ausschließlich dem EEG zu verdanken. Ökostrombezug beschleunigt auch das Ende der Atomwirtschaft nicht.

Die SWP könnten es ja wie die Freiburger mit ihrem Stromlieferer Badenova machen und von ihrem Stromlieferer e.on nur Ökostrom beziehen mit dem Erfolg, dass e.on seinen Industriekunden den Atomstromanteil erhöht.  So machen es die Freiburger mit Ihrem Stromlieferer Badenova und behaupten dann, die Ökohauptstadt Deutschlands zu sein und Null Atomstrom zu vertreiben. Also atomstromfreie Tarife werden dadurch geschaffen, dass ein größerer Anteil Atomstrom in andere Tarife eingespeist wird. So einen Schwindel sollten sich die SWP nicht antun.

Solange auf dem europäischen Markt so viel mehr Ökstrom angeboten wird als nachgefragt wird, bewirkt Ökotrombezug so viel wie nichts. Das trifft auch dann zu, wenn auch in vermindertem Maß, wenn man Ökostrom von Anbietern mit Öko-Mehrwert  (Schönau, Greenpeace Energy usw.) bezieht.

Die Schweizer zum Beispiel verkaufen ihren Wasserstrom günstig nach Deutschland und importieren dafür billigen Kohle- und Atomstrom aus Deutschland für den Eigenbedarf.

Die Rechnung: wenn nur alle Atomstrombezug verweigern, müssen die Atomkraftwerke vom Netz gehen, funktioniert so schnell nicht. Und wenn es so schnell funktionieren würde, wie von Ihnen angedacht, käme der Wandel so schnell, dass die Sicherheit des Netzes gefährdet wäre.

Mir steckt eine Schreckensvision in den Knochen: Ein Gutachten sagt: Drei Wochen Stromausfall (Nageln sie mich nicht fest: waren es drei, vier Wochen oder mehr, ich weiß es nicht mehr) und unsere Atomkraftwerke explodieren, weil die Kühlung ausfällt.

Ökostrom ja, aber mit der nötigen Einsicht in die Wirkungsweise des Strommarkts. Ausstieg aus dem Atomstrom sofort geht nicht. Sind wir froh, wenn das bis 2022 funktioniert und der Alptraum Atomwirtschaft dann ein Ende nimmt.

Mit freundlichen Grüßen,

Klaus Schürzinger