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Neue Mitte samt Stadtgalerie: Ein Fehler?

Auswirkung der Stadtgalerie auf den innerstädtischen Einzelhandel. Ist die Neue Mitte samt Stadtgalerie ein Fehler?

Stadtrat Charly Synek zieht aus der von der AmSonntag zitierten Studie von Monika Walther „Auswirkung Innerstädtischer Shopping Center“ die Folgerung, dass das ECE-Center dem innerstädtischen Einzelhandel 100 Millionen € Umsatz entzogen habe. Er sieht sich darin betätigt, dass die Meinung, man brauche im unmittelbaren Anschluss an die bestehenden Einzelhandelszentren Bahnhofs- und Ludwigsstraße ein Shopping Center, weil sonst die attraktiven Verkaufsflächen in der Peripherie entstehen würden und die Innenstadt an Zentralität und Attraktivität verliere und dann veröde, falsch und naiv war und ist.
Selbst ein damaliger Befürworter der Stadtgalerie kann nicht leugnen – und das bestätigt auch Monika Walther in ihrer Studie - dass in der Innenstadt Umsatzverteilungen vor allem von den 1b und 1c-Lagen in die Stadtgalerie stattgefunden haben.

Allerdings bedürfen die von Walther angegebenen Daten, die dem Vorstand des Citymarketing Passau als „seltsam und irritierend“ erschienen, des genaueren Hinschauens. Die in der Studie genannten Umsatzzahlen beziehen sich nicht, wie von der AmSonntag und Stadtrat Synek interpretiert, auf die Innenstadt, sondern auf den erzielten Einzelhandelsumsatz der gesamten Stadt. Von den Umsatzverlusten kann also nicht nur den innerstädtische Einzelhandel betroffen sein, sondern auch Einzelhandelsstandorte in der Peripherie der Stadt.

Zudem wird der Einzelhandel nicht nur von der Stadtgalerie unter Druck gesetzt, sondern seit 1995 auch durch einen die Kaufkraft senkenden Rückgang der Nettolöhne und -gehälter und durch gestiegene Preise für Wohnung, Strom, Gas, Öl und Altersvorsorge. Dazu kommt die Ausweitung der Verkaufsflächen in der Peripherie der Stadt und darüber hinaus, der Anstieg des Online-Shoppings, durch welches bevorzugt innenstadtrelevante Sortimente vertrieben werden, und ein Rückgang der Bevölkerungszahl. Nicht jeder Umsatzverlust ist demnach auf die Stadtgalerie zurückzuführen.

Laut eines Presseberichts vom 17.07.2012 gehört die Ludwigsstraße  nach Jones Lang LaSalle bundesweit zu den meistfrequentierten Einkaufsstraßen vergleichbarer Städte in Deutschland. Vor diesem Hintergrund erscheint der Rückgang der Passantenfrequenz um -42,3%, wie in der Walther Studie angegeben, unglaubhaft. Verständlich wird diese Zahl tatsächlich nur, wenn man weiß, dass die Mittelwerte der Jahre 2004 bis 2006 in der 1a-Lage Ludwigsstraße mit denen der Jahre 2007 bis 2009 verglichen werden. Allerdings ist der Mittelwert der Jahre 2007 bis 2009 nicht repräsentativ, weil durch die Bauarbeiten in den Jahren 2007/2008 die Passantenfrequenz in der Ludwigsstraße stark beeinträchtigt war. Aus diesem Grunde hat Frau Walther die Mittelwerte der Jahre 2010 bis 2012 erkundet  und stellt fest, dass der Mittelwert von 3.050 Personen pro Stunde an Samstagen nicht mehr und nicht weniger ist als vor der Eröffnung der Stadtgalerie. Am Rückgang der Passantenfrequenz kann also der Umsatzverlust des Innenstadteinzelhandels nicht liegen.


So naiv waren wir Befürworter der Stadtgalerie nicht, um nicht den Umsatzverteilungskampf zwischen dem ECE-Shopping Center und dem innerstädtischen Einzelhandel vorauszusehen. Deswegen wurden für die einzelnen Sortimente der Stadtgalerie mithilfe eines Gutachtens Verkaufsflächengrenzen festgelegt, welche gewährleisten, dass das Angebot der Stadtgalerie für den innerstädtischen Einzelhandel verkraftbar bleibt. Die Einhaltung dieser Grenzen ist von der Stadtgalerie akzeptiert und wird vom Ordnungsamt kontrolliert. Außerdem wurde die Stadtgalerie verpflichtet, sich in Zusammenarbeit mit Citymarketing Passau gemeinsam mit dem innerstädtischen Einzelhandel zu vermarkten, was auch geschieht. Beides sind durchaus Maßnahmen, die das Zusammenleben von Stadtgalerie und Innenstadteinzelhandel erleichtern.

Man darf nicht vergessen, dass die Maßnahme Neue Mitte eine Mehrzahl von Problemen in Angriff genommen hat. Angetreten sind wir Freie Wähler, weil wir erstens ein Europäisches Haus mit Konzertsaal statt Nibelungenhalle haben, zweitens den unansehnlichen Parkplatz Exerzierplatz in einen urbanen Raum verwandeln, drittens die Dr.H.Kapfinger- und Bahnhofsstraße vom Autoverkehr befreien, viertens einen funktionierenden Busbahnhof bauen und fünftens der Maidult und der Messe in Kohlbruck mehr Platz verschaffen wollten. Das Shopping Center kam erst ins Gespräch als die Bahn das Lokschuppenareal zum Verkauf anbot.
Beim Konzerthaus haben uns Stadtratskolleginnen und -kollegen und die Bürgerinnen und Bürger aus Angst vor den Betriebskosten im Stich gelassen. Die Ziele zwei bis fünf sind erreicht worden, was ohne den Bau der Neuen Mitte sicher nicht möglich gewesen wäre. Das ECE-Center, deren Verantwortliche wegen der herausragenden Zentralität der Passauer Innenstadt ein großes Interesse hatten, hier zu investieren, wurde von der FWG nach langem Kampf um Größe der Verkaufsflächen insgesamt und für Sortimente im einzelnem befürwortet und in einem Bürgerbegehren von einer Mehrheit der Bevölkerung bestätigt.

Hatten die Mahner von damals mit ihren Schlagworten „Tod der Innenstadt, einheitsbreiige Hasenstall-Architektur, Verlust an öffentlichem Raum, Verkehrschaos“ Recht? Oder doch die, die die mit der Neuem Mitte verbundenen Veränderungen für die Lebensfähigkeit der Stadt für notwendig hielten?

Der Wahlspruch des großen Architekten, Stadtplaners und Malers Karl Friedrich Schinkel, dem zur Zeit in der Kunsthalle der Hypo-Stiftung eine Ausstellung gewidmet ist, lautet: Man ist nur da lebendig, wo man Neues schafft. Da ist etwas Wahres daran.




Klaus Schürzinger, 07.02.2013