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Fotovoltaik und Sichtbeton im Bereich der Stadtbildsatzung

FWG gegen einsehbare Fotovoltaikanlagen und gegen ein generelles Sichtbeton-Verbot im Bereich der Stadtbildsatzung.

Die FWG-Stadträte Alois Feuerer, Mitglied des Stadtentwicklungsausschusses, und Klaus Schürzinger, Mitglied des Bauausschusses, sind strikt gegen Bestrebungen, mit Ausnahmegenehmigungen des Verbot von Fotovoltaikanlagen auf Dächern von Häusern zu umgehen, die unter Denkmal- und Ensembleschutz wie die Altstadt, der Innstadtkern und die Ilzstadt stehen, und deren Dächer von überall her wie vom Oberhaus und den Hügeln über den Flüssen oder auch von der Straße aus eingesehen werden können. Die Stadträte warnen: "Nach der ersten Ausnahmegenehmigung in der Ilzstadt  werden auch andere Hausbesitzer diesem Beispiel folgen wollen.

Damit wäre ein bestimmendes Element der Stadtgestalt, die "Fünfte Fassade", nämlich die historische Dachlandschaft kaputt. Ein solcher Präzedenzfall würde dazu führen, dass die Verweigerung weiterer Anträge auf Errichtung von Fotovoltaikanlagen als grobe Ungleichbehandlung empfunden würde.

Die Freien Wähler können nicht verstehen, wie die ÖDP, die einerseits als großer Stadtbildschützer gesehen werden will, andererseits den Dächerschutz durch Ausnahmegenehmigungen von Fotovoltaikeinrichtungen aufgeben will. Feuerer: Besuche und Rückfragen in Städten wie Heidelberg und Rothenburg zeigen uns, dass es dort undenkbar wäre, auch mit nur einer Ausnahme die Unantastbarkeit der Dachlandschaft zu verletzen. Wir graben uns doch nicht das Wasser ab, das zu einem Großteil die Mühlen unserer Tourismus-Wirtschaft antreibt, hört man von diesen Tourismus-Städten.

Die beiden FWG-Stadträte wenden sich auch gegen den Antrag der ÖDP, Sichtbeton-Bauten im Bereich der Stadtbildsatzung per Satzungsänderung grundsätzlich zu verbieten. Nicht in jedem Fall ist Sichtbeton "brutal und scheußlich". Eine Haltung, die die Vielfalt des Bauens durch Verbot bewährter moderner Materialien einschränken will, ist falsch verstandener Konservatismus. Bauherren und Architekten dürfen von der Politik nicht um die Möglichkeit gebracht werden, sich bei Bau- und Gestaltungsfragen zeitgemäßer Baustoffe zu bedienen und diese je nach Bauaufgabe und Umgebung einzusetzen. Wie viele gelungene Beispiele der modernen Baugeschichte zeigen, können gerade aus Wettbewerben hervorgegangene Sichtbetobauten in bestimmten Situationen im Kontrast zum Altbestand dessen Besonderheit und Schönheit hervorheben. Die Qualität von Bauten hängt nicht vom gewählten Baustoff, sondern von Gliederung, Proportionsgestaltung, Raumbildung und Kontextanpassung ab.

Die beiden FWG-Stadträte können der Argumentation des Dr. Thomas Kupferschmid M.A., vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dass nämlich die Verwendung von Sichtbeton im Dominnenhof und beim Parkhaus am Römerplatz "durch Detailausprägung tatsächlich aber das Material geradezu negiert",  nicht folgen. Weiter stellt Dr. Kupferschmid fest: "Die gewählte Texturierung versucht, Naturstein nachzuahmen. Dies ist als beabsichtigte Distanzierung vom eigentlichen Baumaterial zu werten." So gesehen ist auch der von Dr. Kupferschmid geforderte Verputz als nichts anderes als eine "Distanzierung vom eigentlichen Material" zu sehen. Die Anpassungsfähigkeit, die Vielgestaltigkeit und Wandelbarkeit des Gussgesteins Beton ist ein integraler Bestandteil des Materials Beton und keine Negierung des Betons.

Was hier zu Tage tritt, ist eine weit verbreitete Betonphobie, nach der Beton die Städte unwirtlich macht, brutal und grundsätzlich scheußlich und von geringer Ästhetik ist (Corbusier und Neuer Brutalismus!), als Massenprodukt eine unwohnliche Atmosphäre und nur hässliche, öde, rechtwinklige Kästen schafft. Natürlich sind solche hässliche Kästen gebaut worden. Aber deshalb können doch die gestalterischen Möglichkeiten des Betons nicht schlechthin geleugnet werden. Es gibt den Beton in vier Güteklassen: Von SB1 für Kellerwände bis SB4 mit höchsten Anforderungen an die Oberflächenstruktur. Der Anlass zum Sichtbetonstreit, das evangelische Gemeindehaus, weist die Güteklasse SB3 aus.

 

Alois Feuerer

Klaus Schürzinger

19.07.2013