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Rücktritt des Gestaltungsbeirats

Gestaltungsbeirat tritt zurück - Protest gegen Oberhaus-Entscheidung des Bauausschusses

Der Rücktritt des Gestaltungsbeirates mit den Architekten Romana Ring (Linz), Prof. Christian Hütz (Regensburg) und Bernhard Landbrecht (München), die in Fachkreisen einen sehr guten Ruf genießen, noch vor Verlängerungung mit einer weiteren Beiratsperiode, bedauert die FWG sehr. Bei unserer regelmäßigen Anwesenheit erlebten wir dieses Gremium bei seiner Arbeit in Passau als überaus arroganzfrei, dikussionsbereit, konstruktiv und wertebewusst, dessen Überlegungen von einer großen Achtung von dem Stadtbild, ja gerade zu Ehrfurcht vor dem einmaligen Stadtkunst-werk Passau getragen wurde. Dabei vergaßen die erfahrenen Praktiker aber niemals die Interessen der Bauherrren und Investoren.

Die immer wieder vorgebrachte Meinung, der GB sei nur eine Alibiveranstaltung der Stadt, die den Wünschen der Investoren nichts entgegenzusetzen habe, verkennt völlig die positive Wirksamkeit und Bedeutung dieses Beratungsgremiums für die Stadtentwicklung. Dort wird, wenn nötig, wirklich Tacheles geredet und das mit Sachargumenten von Fachleuten. Und oft genug ist zu erleben, dass Investoren sich nicht frustriert abwenden, sondern mit einem erstaunten "Aha" bessere Lösungen akzeptieren.

So trugen die Beiratsempfehlungen bei dem Bauvorhaben Bergfried zur Wahrung der bisherigen Baugrenzen bei, so wird aus dem Theresienhof ein Wohnschmückstück, so bekannte man sich bei den KVV- Bürobauten in der Grünaustraße zu einer der Neuen Mitte mit ihren großvolumigen Baukörpern angemessenen Bebauung unter Wahrung der vorhandenen Achsenstruktur. Mit Leidenschaft versuchte der Gestaltungsbeirat, dem Investor wie den Stadträten klar zu machen, dass bei dem Neubau des Oberhaus- Restaurants "auf jeden Fall die sternförmige Anlage frei zu halten ist". Wichtigstes Ziel war für den GB, den "einmaligen Blick auf die gesamte Stadtsilhouette sowohl für die Allgemeinheit als auch für die Besucher und Gäste des Restaurants in gleicher Weise verfügbar zu machen. Aufgrund der außergewöhnlichen Situation des Ortes von höchstem kulturgeschichtlichen Rang besteht daran ein erhebliches öffentliches Interesse." (Auszug aus dem offiziellen Sitzungsprotokoll) Der Abstand zu der Eckbastion der Feste, wie das Erlebnis des Burggrabens und der Blick auf den Dom und die Stadt sollte beim Zugang auf das Restaurant durch die Nordmauer des Restaurants möglichst wenig beeinträchigt werden. Diese Forderungen wurden auch von der Stadtplanung und -Gestaltung wie vom Architekten des Investors als nachvollziehbar und plausibel anerkannt. Allerdings konnten dann diese Forderungen planerisch nicht umgesetzt werden, weil der Betreiber bei seinem Veto blieb.

Die Bezeichnungen der vom Gestaltungsbeirat gewünschten Lösung als "angedachte Bunkervariante" durch FDP/PL-Stadtrat P. Pell, als "Erdlochvariante" durch Bündnis 90/Die Grünen-Stadtrat S. Bauer sowie die süffisante Anmerkung von SPD-Stadtrat M. Sturm "unter die Erde kommen wir noch alle früh genug", waren verständnislose, wenn nicht böswillige Verunglimpfungen, denn das Restaurant hätte durchaus den Ausblick auf die Stadt gewährt.

Es ist schade, dass man den Drohungen von Investorenseite, bei Nichterfüllung die Investition bleiben zu lassen, ziemlich schnell nachgab. Es muss deutlich gesagt werden, dass es sich bei dem nun mehr genehmigten Bauvorhaben eben nicht um einen Kompromiss handelt, sondern im Gegenteil um die Realisierung des Planes I, den der GB keinesfalls gebaut sehen wollte. Die FWG, der sehr an einem echten Kompromiss zwischen den Stadtbild- und Investoreninteresse gelegen war und die die Realisierung einer weiter entwickelten Kompromiss- Variante mitgetragen hätte, blieb nach Beharren der Investorenseite auf der nach Ansicht des Gestaltungbeirates brutalsten Variante I nur noch die Ablehnung.

Wieder einmal zeigt sich lehrbeispielhaft, dass die Investoren in Städten, wo das Bewusstsein für ästhetisch- urbane Qualitäten bei den Entscheidungsträgern gering ausgeprägt ist, leichtes Spiel haben. Das Bedauerliche dabei ist, dass die Meisten gar nicht erkennen, worum es eigentlich geht: Um die Bewahrung des Besonderen, der nur so an diesem Ort anzutreffenden Aura Passavia, dessen bzw. deren Vorhandensein nicht gleich jedermann spürt, die jedoch auf jeden Fall in ihrer ungebrochenen Wirksamkeit für die zukünftigen Generationen bewahrt werden sollte. Besonders bedauert die FWG, dass OB Dupper bei seinem zeitweiligen Erscheinen im Gestaltungsbeirat Druck ausübte, indem er zu erkennen gab, dass ihm eine risikolose schnelle Lösung lieber sei, als eine ästhetische- urbane Bestlösung mit dem Risiko des Investorenrückzuges. Schade auch, dass die Stadtentwicklung und Stadtplanung, die um die Qualität des Gestaltungsbeirates ebenso wussten wie der planende Architekt im Interesse einer schnellen investorenfreundlichen Entscheidung diesem Druck nachgeben mussten. Einmal mehr zeigte sich, dass der Stadtgestaltungsbeirat auf verlorenem Posten steht, wenn die große Mehrheit der Politik nicht bereit ist, die öffentlichen Allgemeininteressen höher zu gewichten als die privaten des Investors. Der Rücktritt der gescheiterten Gestaltungsbeiräte, deren Ratschläge nur Empfehlungscharakter haben, ist konsequent und ehrenwert. Dennoch sollte die Stadt trotz oft verständnislosester Behandlung dieses Gremiums durch einzelne Politiker weiterhin auf der Einrichtung eines Gestaltungsbeirates beharren.

 

Alois Feuerer / Klaus Schürzinger // 8.Mai 2012