Seiteninterne Navigation

Freie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband Bayern

Navigation

 

Aktuelles

Seiteninhalt

9 AKWs für den Stromexport?

1.

Passau, den 01.05.2011

An den
Bund Naturschutz in Bayern e.V.
Landesfachgeschäftsstelle
Referat für Energie und Klimaschutz

Faltblatt „Atomkraft tötet“

Sehr geehrte Herren H. Weiger, R. Mergner, K. Frobel, H. Barthel,

Als Mitglied des BN habe ich das BN-Faltblatt „Atomkraft tötet“ erhalten.
Darf ich Sie um eine Klarstellung zu der Aussage des Punktes 1 „Zukunft ohne Atomstrom“ bitten, nach der 9 AKWs abgeschaltet werden könnten, wenn nicht „jährlich Strommengen, die einer Kraftwerksleistung von 15 GW entsprechen“ exportiert würden.

Im Jahre 2010 importierte Deutschland 19,943 TWh und exportierte 30,889 TWh. Das ergibt ein Saldo von 10,946 TWh Export.
Da der Anteil der Kernenergie an der Gesamtbruttostromerzeugung in Deutschland in Höhe von 620,6 TWh 23,3% beträgt, errechnet sich für die 17 Kernkraftwerke eine Stromerzeugung von 139,05 TWh, im Durchschnitt pro Kernkraftwerk also eine Stromerzeugung von 8,79 TWh.

Da im Jahr 2010 der Export 10,946 TWh betrug, bedeutet dies, dass durch den Wegfall des Exports nur 1,33 Kernkraftwerke abgeschaltet werden könnten und nicht 9, wie Sie errechnen.

(Zudem importiert Deutschland seit dem Moratorium 0,5 TWh mehr als es exportiert.)

Sie stellen außerdem fest, dass die jährlich exportierten Strommengen einer Kraftwerksleistung von 15 GW entsprechen. Leider nennen Sie die Mengen nicht. Es bleibt unklar, ob ein Leistungsmix von Kohle- und Kernkraftwerken gemeint ist. Zudem sagt eine Leistungangabe wenig über die erzeugte Strommenge aus, da keine Angaben über Laufzeiten oder Voll- oder Teilbetrieb gemacht werden. Ist mit der Leistung von 15 GW Kernkraftwerksleistung gemeint, würde dies 69% der installierten Kernkraftleistung in Höhe von 21,457 GW bedeuten. Umgerechnet in Strommengen wären das 69% von 139,05 TWh, mithin also 95,94 TWh. Einen solch hohen Export gibt es nicht.


Auch ich lehne die Kernkraft als nicht verantwortbar ab. Ich halte es aber für nötig, dass der BN seine Aussagen durch exakte Angaben und Berechnung nachvollziehbar gestaltet. Das sind wir der Öffentlichkeit und uns selbst schuldig.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen,

K. Schürzinger
als Mitglied des Aufsichtsrates der Stadtwerke Passau mit Energiefragen beschäftigt

 

 

2.

Bitte um Antwort auf meine email vom 01.05.2011

Sehr geehrter Herr Dr. Barthel,

Ich habe die Aussage im BN Faltblatt "Atomkraft tötet", dass 9 AKWs abgeschaltet werden könnten, wenn nicht Strommengen, die einer Kraftwerksleistung von 15 GW entsprechen, exportiert würden, in Zweifel gezogen und die Unterzeichner des Faltblatts, darunter Sie, um eine Klarstellung zu dieser Aussage gebeten.

In der letzten Nummer des BN Journals "Natur + Umwelt" wurde Herr Jochen Flasbarth als Gewährsmann für diese Aussage genannt. Im Internet konnte ich leider keinen Text des Herrn Flasbarth zu dem Thema finden.

Da Sie mich beim Energieseminar am Stelzlhof in Passau persönlich kennen gelernt haben, hoffe ich, dass Sie mir zu der Problematik eine Stellungnahme zukommen lassen.

Den Text meiner Anfrage an die Herren H. Weiger, R. Mergner, K. Frobel und an Sie vom 01.05.2011 füge ich im Anhang bei.
Mit freundlichen Grüßen,

K.Schürzinger

 

 

3.

Hallo Herr Schürzinger,

die Aussage von Herrn Flasbarth vom 03-2011 stammt aus einer Radionotiz, und wurde auf Nachfrage auch verbal so bestätigt, dies hatte mir auch Thorben Becker, BUND, nochmals so bestätigt. Diese Meldung wurde auch nicht dementiert von Flasbarth - also gehe ich davon aus, dass wir ihn richtig zitiert haben.

Ich gehe davon aus, dass Herr Flasbarth dies im UBA gründlich untersucht hat.

Inhaltlich übereinstimmend ist eine weitere Studie von Prof. Hohmeyer, Univ. Flensburg, vom 04-2011; finden Sie via Google oder bei der DuH.

Sie haben aber recht, es gibt im Internet auch völlig andere Daten - aber sehen Sie mal in die SZ vom 6.6., dort ist beschrieben, dass die LandesBank BadenWürtemberg darlegt, dass die EVUs durch die Laufzeitverkürzung AKW vom 05-2011 ca. 22 Milliarden Euro Gewinn verlieren werden. Das macht mich misstrauisch gegenüber allen Aussagen und Untersuchungen, die aus der Ecke der Stromversorger kommen - da ist zuviel Geld im Spiel.

Ich denke daher, die zitierten Aussagen von Flasbarth liegen näher an der Realität als die Daten die Sie zitieren.

Aber - letztlich bewegen wir uns vor diesem komplexen Hintergrund der Interessen viel im Bereich von Abschätzungen - insofern vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihre Daten - wir müssen hier alle Quellen berücksichtigen!

Vielen Dank.

Herzliche Grüße.

Herbert Barthel

 

4.

Sehr geehrter Herr Dr. Barthel,

Vielen Dank für Ihre Reaktion auf meine Anfrage!

Das UBA hat am 17.03.2011 publiziert, dass 9 AKWs sofort abgeschaltet werden könnten, ohne die Stromversorgung zu gefährden.

Das ziehe ich nicht in Zweifel. Im Gegenteil, die gesicherte Kraftwerksleistung und die vorhandene Reserve dürfte es möglich machen, sogar noch mehr AKWs abzuschalten.

Aber es ist aufreizend falsch, zu behaupten, die 9 AKWs könnten dann sofort abgeschaltet werden, wenn Deutschland aufhöre, jährlich Strommengen, die einer Kraftwerksleistung von 15 GigaWatt entsprechen, zu exportieren.

Genau dies aber tut der BN in seinem Faltblatt und in der "Natur + Umwelt":
"Derzeit exportiert Deutschland jährlich Strommengen, die einer Kraftwerksleistung von 15 Gigawatt entsprechen. Das heißt, 9 AKWs könnten abgeschaltet werden, ohne dass dies die Verbraucher spürten." (Faltblatt)

Bestätigt werde ich in meiner Rechnung durch www.gruene-bundestag.de,wo bezugnehmend auf Daten der AG Energiebilanzen festgestellt wird: "der aktuelle Exportüberschuss bietet das Potential, zwei weitere AKWs abzuschalten. Deutschland hätte dann immer noch eine ausgeglichene Im- und Exportbilanz."

Die von mir verwendeten Daten bezüglich Gesamtbruttostromerzeugung und installierte Kraftwerksleistung stammen übrigens nicht "aus der Ecke der Stromversorger". Sie sind beim UBA nachzulesen.

Warum eigentlich kann der BN nicht eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben, und sagen, beim nächsten Faltblatt und in der nächsten "Natur + Umwelt" werden wir das richtig stellen?

Ich bitte Sie, meine email an die Herren H. Weiger, R. Mergner und K.Frobel, weiterzuleiten.

Viele Grüße,
K. Schürzinger