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FWG Aschermittwoch

Der Aschermittwoch der FWG Passau,

Eine kleine, aber feine Veranstaltung

Stadtrat S. Kapfer organisierte, Stadtrat A. Feuerer lud ein und begrüßte die Mitglieder der FWG-Passau in der Pension Burgwald und Stadtrat K. Schürzinger forderte mit seinem Redebeitrag "Die FWG, Jenseits von Gut und Böse. Die FWG-Moral im Lichte Friedrich Nietzsches Naturgeschichte der Moral" die volle Konzentration der Zuhörer heraus.

Die "Harmonikafreunde Passau" belebten die Veranstaltung mit ihren erfrischenden Volksmusikmelodien.

 

Hier die Rede von K. Schürzinger im Wortlaut:

Die FWG "Jenseits von Gut und Böse"

Die FWG im Lichte Friedrich Nietzsches "Naturgeschichte der Moral" in seinem Werk "Jenseits von Gut und Böse"

I.

Vivisektion der FWG-Moral

FN machte den Philosophen seiner Zeit herbe Vorwürfe, weil sie sich mit "der Begründung der Moral" befassen, statt eine Typenlehre der Moral vorzubereiten. Dazu müssten sie Materialien zu den bestehenden Moralen (FNs Ausdruck für moralische Systeme!) sammeln und das "ungeheure Reich zarter Werthgefühle und Werthunterschiede" begrifflich  fassen und ordnen, was sie aber nicht tun. "Wie ferne lag ihrem plumpen Stolz jene unscheinbar dünkende Aufgabe einer Beschreibung" der existierenden Moralsysteme!

Aber weil sie diese Arbeit unterließen, kriegten sie das eigentliche Problem der Moral selbst gar nicht zu Gesicht, so dass das, was sie eine Begründung der Moral nannten, "im rechten Lichte besehn, nur eine gelehrte Form guten Glaubens an die herrschende Moral" war. Jedenfalls ist ihre Begründung das genaue Gegenstück einer wirklichen "Prüfung, Zerlegung, Anzweiflung, Vivisektion" eben dieses Glaubens. Sie belegen mit Vernunftgründen, was sie instinktiv zu wissen glauben

Jener Grundsatz, so FN, über dessen Inhalt alle Ethiker eigentlich einig sind, nämlich "neminem laede, immo omnes, quantum potes, juva! (Tue niemanden etwas zu Leide, im Gegenteil hilf allen, soweit du dies vermagst.) und den die Philosophen eigentlich hätten begründen sollen, dieser Grundsatz ist, "wer einmal gründlich nachgefühlt hat" "abgeschmackt falsch und sentimental  in einer Welt, deren Essenz Wille zur Macht ist".

Welche Folgerungen ziehen wir FWGler aus dieser Kritik? Wir werden eben nicht zu stolz sein, unsere moralischen Werte zu prüfen, zu zerlegen, anzuzweifeln, zu sezieren", um dem Fehler zu entgehen, schlechte Gründe vorzuschieben für eine Moral, "an die wir aus Instinkt glauben".

 

Auf dem Prüfstand stehen:

unser Streben nach Kooperation und Toleranz, nach Sachgerechtigkeit, nach Gesetzestreue und unsere Hochschätzung demokratischer Prinzipien

Denn wir wollen der "Selbstüberlistung" des Sokrates entgehen, nämlich "den Instinkten zu folgen, und dabei die Vernunft überreden, und das als gute Gründe zu bezeichnen, was in Wirklichkeit Instinkt ist".

II.

Die Tyrannei des Zwangs als Wachstumsbedingung

Wir FWGler werden auch nicht aus dem Auge verlieren, dass, wie FN klar macht, "jede Moral im Gegensatz zum laisser faire, ein Stück Tyrannei gegen die Natur, auch gegen die Vernunft" "und damit einen Zwang darstellt".

 

Aber gerade der Zwang dieser Tyrannei führt zur "Stärke und Freiheit", wie man an der Sprache sehen kann:  Dichter unterwerfen sich der Tyrannei des Reims und schaffen Großes dabei.

Denn "Alles, was es von Freiheit, Kühnheit, Tanz und meisterlicher Sicherheit giebt oder gegeben hat, ... entwickelt sich vermöge der Tyrannei solcher Willkürgesetze". "All dies Gewaltsame, Willkürliche, Harte, Schauerliche, Widervernünftige hat den europäischen Geist stark gemacht."

Also werden wir FWGler uns hüten, uns dieser Tyrannei, dieser "strengen und grandiosen Dummheit, die den Geist erzieht," zu entziehen. Wir werden also Geschäftsordnungen, Satzungen und geschriebene und ungeschriebene Gesetze  peinlich genau beachten und so "Sklaverei, Verengung der Perspektive als Lebens- und Wachstums-Bedingung" zur Entwicklung unserer "Stärke und Freiheit"  nutzen.

 

III.

"Heerdenmoral"

Solange, so FN, die menschliche Gesellschaft der Befehlenden bedurfte, um Länder zu erobern, Reiche und Staaten aufzubauen und gegen äußere Gefahren abzusichern, solange standen Werte wie "Unternehmungslust, Tollkühnheit, Rachsucht, Verschlagenheit, Raubgier und Herrschsucht in hohem Ansehen", man nannte sie nur nicht so.

"Nachdem das Gefüge der Gesellschaft im Ganzen festgestellt und gegen äußere Gefahren gesichert erscheint" werden die oben genannten Werte zur inneren Gefahr und als unmoralisch gebrandmarkt. Jetzt kommen die gegensätzlichen Triebe und Neigungen zu moralischen Ehren: der "Heerden-Instinkt zieht, Schritt für Schritt, seine Folgerung. ... Alles, was den Einzelnen über die Heerde hinaushebt, ... heißt von nun an böse. ... das Mittelmaass der Begierden kommt zu moralischen Namen und Ehren."

Unter diesen Bedingungen schrumpft die Zahl der Befehlenden in bedenklichen Maße, dagegen wächst die der Gehorchenden gewaltig an. So ergibt sich, dass "Gehorsam bisher am besten und längsten unter den Menschen geübt und gezüchtet worden ist." Auf diese Weise hat sich ein Bedürfnis nach Gehorsam entwickelt, so sehr, dass dieses Bedürfnis nun jedem Menschen als formales Gewissen angeboren ist, "Welches gebietet: du sollst, oder du sollst nicht".

 

Das Bedürfnis nach Gehorsam sättigt seinen Appetit, indem es "wenig wählerisch" annimmt, was irgendwelche "Befehlende,  Eltern, Lehrer, Gesetze, Standesvorurtheile, öffentliche Meinungen ins Ohr rufen." Der "Heerden-Instinkt" des Gehorsams breitet sich aus "auf Kosten der Kunst des Befehlens" bis zu dem Punkt, an dem die "Befehlshaber und Unabhängigen" fehlen.

 

Die letzten dieser Befehlenden leiden um des Befehlens willen an schlechtem Gewissen und fangen an, sich mit moralischer Heuchelei zu behelfen. Sie "gebärden sich als Ausführer älterer und höherer Befehle", nämlich als "Ausführer der Verfassung, des Rechts, der Gesetze oder gar Gottes."Ja, sie borgen sich "von der Heerden-Denkweise" ihre "Heerden-Maximen" und behaupten, "als erste Diener ihres Volkes" zu fungieren oder behaupten, als "Werkzeuge des gemeinen Wohls" zu handeln.

So wandelt sich der Befehlende zum "Heerdenmensch", welcher schließlich als die "einzig erlaubte Art Mensch erscheint". Er verherrlicht seine Eigenschaften, vermöge derer er "zahm, verträglich und  der Heerde nützlich ist, als die eigentlichen menschlichen Tugenden: also Gemeinsinn, Wohlwollen, Rücksicht, Fleiss, Mässigkeit, Bescheidenheit, Nachsicht, Mitleiden."

Dennoch, wahrhaft glücklich scheint der Mensch mit diesen "Heerdenthier-Tugenden" nicht zu sein.

Davon gibt die Erlösung, die der Auftritt eines "unbedingt Befehlenden", beim Heerdenthier hervorrief, nämlich Napoleons Erscheinen ein großes Zeugnis ab.  FN Zitat:  "Welche Wohlthat, welche Erlösung von einem unerträglich werdenden Druck trotz Alledem das Erscheinen eines unbedingt Befehlenden für diese Heerdenthier-Europäer ist, dafür gab die Wirkung, welche das Erscheinen Napoleons machte, das letzte grosse Zeugnis".

 

(Dürfen wir hinzufügen, dass Hitler dem "Heerdenthier-Deutschen als ebenso große Wohltat und Erlösung erschienen sein dürfte, da mit ihm ein "unbedingt Befehlender" auftrat, der in schwieriger Situation es dem Heerdenthier-Deutschen  ermöglichte, seinem Gehorsams-Bedürfnis freien Lauf zu lassen?)

 

All dies ist wahrlich Anlass genug zur Überprüfung unserer FWG-Moral! Beschreiben jene oben genannten der "Heerde nützlichen Tugenden" nicht genau unser Streben nach Kooperation, Gesetzestreue usw.? Haben wir uns den "Instinkten des Heerdenthiers Mensch ergeben" und sind wir "den sublimsten Heerdenthier-Begierden zu Willen" gewesen? Sind wir nicht weit davon entfernt "unbedingt Befehlende" zu sein?  Müssten wir nicht zurück zu dem, "was den Einzelnen über die Heerde hinaushebt und eine höhere Moral anstreben,"  nämlich "unabhängige Geistigkeit, zurück zum Wollen und Alleinstehn".

Bevor wir diese Fragen beantworten,  wenden wir uns zum Abschluss noch einem anderen Feld, das FN beackert hat, zu:

 

IV.

Die demokratische Bewegung

FN zerschmettert den "Glauben an die Demokratie als Erlöserin" und an die "Heerde" als Souverän und verurteilt die demokratische Bewegung "nicht bloss als eine Verfalls-Form der politischen Organisation, sondern auch als Verfalls- und Verkleinerungs-Form des Menschen, als seine Vermittelmässigung und Werth-Erniedrigung" , "als schauerliche Herrschaft des Unsinns und des Zufalls, als Unsinn der grössten Zahl". Ihn ekelt vor dieser "Entartung und Verkleinerung des Menschen zum vollkommenen Heerdenthiere."

FN sieht  deshalb "über unserem Himmel schwere, ferne Gedanken und Gewitter gehn" und erkennt die "erschreckliche Gefahr, dass jene neue Art von Philosophen und Befehlhabern, an deren Bilde Alles, was auf Erden an verborgenen, furchtbaren und wohlwollenden Geistern da gewesen ist, blass und verzwergt ausnehmen möchte, ausbleiben und missrathen könnte." Denn diese neue Art von Philosophen und Befehlhaber ist es, die "der Entartung Einhalt gebieten" könnte.

Jedoch, um diese neue Art des Menschen zu schaffen, bedarf es der "Umwerthung der Werthe, unter deren neuem Druck und Hammer ein Gewissen gestählt, ein Herz in Erz verwandelt würde, dass es das Gewicht einer solchen Verantwortlichkeit ertrüge". Dass dies "missrathen" könnte, ist FNs große Sorge.

 

Doch FN sorgte sich umsonst. Die neue Art Philosoph und Befehlshaber, ist schon da! "Jene zauberhaften Unfassbaren und Unausdenklichen, jene zum Siege und Verführung vorherbestimmten Räthselmenschen", jene "ersten Europäer nach seinem ( FNs)  Geschmack" existieren schon!

 

Da sind sie:

Da ist Stadtrat Siegfried Kapfer als neuer Caesar,

da ist  Stadtrat Alois Feuerer als neuer Leonardo da Vinci

und da ist meine Wenigkeit, Stadtrat Klaus Schürzinger, als neuer Alcibiades.

Die FWG ist es, die ihr "Gewissen gestählt" und ihr "Herz in Erz verwandelt hat", um "die noch unausgeschöpften Möglichkeiten und jene Kräfte zu entfesseln, die die Menschheit vor der Entartung retten."

 

Und damit erübrigt sich auch die Frage von vorhin, ob wir, die FWG, den "Heerdenthier-Begierden zu Willen" gewesen seien. Wir sind es nicht. Im Gegenteil wir sind die, die  "die Gesammt-Entartung  des Menschen" verhindern können "bis hinab zur "Verkleinerung des Menschen zum vollkommenen Heerdenthiere" welche nur "Tölpeln und Flachköpfen als  Mensch der Zukunft, als  Ideal erscheint."

 

FN weist darauf hin,  dass der normale Mensch sich vom Schimpansen nur wenig unterscheidet. Wir FWGler aber, wir haben den von FN geforderten qualitativen Sprung vom Schimpansen zum autonomen Menschen geschafft.

 

Deshalb:

Oh, dass doch alle dies erkennen möchten!

Wohl der Stadt, die eine FWG hat!

 

 

K. Schürzinger

8.1.2009

 

 

 

 

 

Links unten: Die Harmonikafreunde Passau

Rechts unten: K. Schürzinger bei seiner Rede