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Energieproduktivität: Geeigneter Indikator für die Energieeffizienz städtischen Anlagen?

Stellungnahme zum Antrag der ödp-Stadtratsfraktion auf Übernahme des Energieziels der Bundeskanzlerin für die Stadt Passau


Zum Punkt 1 des Antrages


Die ödp schlägt vor, "der Stadtrat bzw. der Ausschuss beschließt, das 3%-Ziel der Bundesregierung zur jährlichen Verbesserung der Energieproduktivität  für seinen eigenen Verantwortungsbereich zu übernehmen und nach Möglichkeit zu übertreffen".

Definition des Begriffs "Energieproduktivität"

 

Die Energieproduktivität (EP) erfasst, wieviel Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer Einheit Primärenergieverbrauch (PEV) produziert wird.

Das heißt, je höher die EP, desto größer die Wirtschaftsleistung, die mit gleichem Einsatz an Energie erbracht wird, oder anders ausgedrückt, je mehr wirtschaftliche Gesamtleistung (BIP) aus einer Einheit Primärenergie (PEV) herausgeholt wird, umso effizienter geht die Volkswirtschaft mit Energie um. Der PEV gibt den Verbrauch direkt in der Natur vorkommender Primärenergieträger wie Stein- und Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Uran sowie erneuerbare Energien an.

Die EP wird ausgedrückt als das Verhältnis vom BIP zum Primärenergieverbrauch:

 

                                                                  BIP (Bruttoinlandsprodukt)
E
nergieproduktivität (EP)   =       _________________________     

                                                               PEV (Primärenergieverbrauch)

 
Wenn die ödp darauf hinweist, "Dies bedeutet im Klartext, dass der Energieverbrauch bei gleicher Leistung um jährlich 3% reduziert werden soll", ist dies in zweierlei Hinsicht nicht richtig.

 

Zum einem ist der Energieverbrauch, den die ödp-Stadtratsfraktion wahrscheinlich meint, nämlich der Verbrauch an Gas, Öl, Diesel und Strom in den städtischen Gebäuden, Fahrzeugen usw., der so-genannte Endenergieverbrauch und nicht identisch mit dem Primärenergieverbrauch.  Dieser beinhaltet nämlich auch noch den nichtenergetischen Verbrauch, die Umwandlungsverluste und den Verbrauch in den Energiesektoren des im Land gewonnenen und des importierten Energieaufkommens.

 

Zum anderen ist der "Klartext" auch deswegen nicht richtig, weil die EP genau so gut wie durch Reduzierung des PEV  auch durch die Erhöhung  des BIP bei gleich bleibendem PEV  verbessert  werden kann. In der Tat hat sich die EP in der BRD von 1990 bis 2006 um knapp 31% erhöht. Der Anstieg der EP signalisiert zwar einen effizienten Energieeinsatz. Dies hat aber nur zu einem relativ schwachen absoluten Rückgang des PEV um 3% geführt, weil die Effizienzsteigerung  durch ein Wirtschaftswachstum von rund 27%  weitgehend  aufgezehrt wurde.  

 
Eingrenzung des Begriffs "eigener Verantwortungsbereich"

 
Der "eigene Verantwortungsbereich" des Stadtrats erstreckt sich auf das gesamte Stadtgebiet. Nachdem aber Punkt 1 des ödp-Antrags gemäß Punkt 3 des Antrags auch für die stadteigenen GmbHs gelten soll, soll der Geltungsbereich hier offensichtlich auf Maßnahmen, die von der Stadt und ihren Töchtern verantwortet werden, beschränkt werden. Die Produktion von Waren und Dienst- und Verkehrsleistungen Privater im Bereich der Stadt Passau sollen offensichtlich nicht in Betracht gezogen werden.

 
Anwendbarkeit der EP für das kommunale Energiemanagement der Stadtverwaltung

 
Gegen die Einführung des EP als Messlatte spricht, dass die EP durch das in die Berechnung einfließende  BIP durch jede Art von Konsum und Aktivität, auch derjenigen, die gemessen am Kriterium der Nachhaltigkeit überflüssig oder sogar schädlich ist,  verbessert wird. So zum Beispiel erhöht auf diese Weise der Rohstoffverbrauch die EP genauso wie die Kosten, die aufzu- wenden sind, um die durch diesen Rohstoffverbrauch verursachten Klimaschäden zu bekämpfen. Oder: Die Kosten, die zur Beseitigung von Hochwasserschäden entstehen, gehen in die BIP ein, der durch das Hochwasser entstandene Schaden bleibt im BIP unberücksichtigt. Die BIP-Berechnung, die ihrerseits in die Berechnung des EP einfließt,  ist blind gegenüber Nachhaltigkeit, selbst Schulden, die auf Kosten der kommenden Generationen gemacht werden, erhöhen die EP. Denn alle Beträge werden einfach ohne Bewertung aufsummiert.

 

Die EP, die in Statistiken der Weltbank, IWF oder der UN als zentraler Indikator zur Bewertung der Wirtschaftsleistung und des Wohlstands eines Landes Verwendung findet, ist als Indikator der Energieeffizienz der stadteigenen Gebäude das völlig ungeeignete Mittel. Dies ist nicht nur wegen der oben dargestellten Gründe der Fall, sondern auch, weil die statistischen Voraussetzungen, die es ermöglichen würden, die EP für den vergleichsweise winzigen Bereich der städtischen Kommunalverwaltung  als Indikator  zu berechnen, fehlen. So scheidet die EP  schon aus faktischer Unrealisierbarkeit als Index für die Messung der Wirksamkeit der ergriffenen Energiesparmaßnahmen der Stadt aus.

 

Zum Punkt 2

Der Punkt 2 des ödp-Antrags ist, wie die Verwaltung richtig bemerkt, bereits umgesetzt. Im Punkt 6 des Energieberichts 2006 werden die Maßnahmen und der dazu gehörige Finanzrahmen vorgestellt.

 

Zum Punkt 3

Siehe Punkt 1!

 

Reduzierung des Endenergieverbrauchs der Stadt und ihrer Töchter-GmbHs

 

Dass jedoch die Stadt, auch nach der Überzeugung der FWG, größte Anstrengungen im effizienten und sparsamen Umgang mit Energie unternehmen  muss, ergibt sich schon aus den gesetzlichen Vorlagen der novellierten Energieeinsparungsverordnung, aber auch aus der Selbstverpflichtung, die die Stadt mit ihrer "Passauer Klimaerklärung" vom 6. Juli 2002 eingegangen ist.

Es ist natürlich richtig, sich Ziele zu setzen. Aber man muss sich vergewissern, ob ein Ziel auch realistisch ist. Eine 3%ige Energieeinsparung bei der Beheizung städtischer Gebäude kann schon daran scheitern, dass der zusätzliche Energiebedarf für die neuen Trakte der Nikola-Schule und des ASG im Ganztagsbetrieb die Energieeinsparung durch Dämmungsmaßnahmen und dem Einbau effizienterer Betriebstechnik in anderen städtischen Gebäuden übersteigt.  

 

Aus dem Energiebericht 2006 geht zum Beispiel hervor, dass der (witterungsbereinigte!) Energieverbrauch für Wärme (Gas, Öl, Fernwärme) trotz Maßnahmen wie Dämmung, neuer Betriebstechnik und Energie-Contracting  zugenommen hat.

 

Auch die CO2-Emissionen haben seit 2003 zugenommen, obwohl laut der Passauer Klimaerklärung es das Ziel der Stadt war, durch "Senkung des Energieverbrauchs in den eigenen Gebäuden und Anlagen die CO2-Emissionen um 2% pro Jahr zu senken".  

 

Nach Meinung der FWG sollte der Finanzrahmen für Maßnahmen zur Energieeinsparung bei der Beheizung städtischer Gebäude und Anlagen so erweitert werden, dass die in der Passauer Klimaerklärung eingegangene Verpflichtung zur Senkung des Energieverbrauchs sicher  gestellt werden kann.

 

 

K. Schürzinger    11.12.2007