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Sperrwerk Ilz: Lösung des Halser Hochwasserproblems?

Im Zusammenhang mit der Diskussion eines Hochwasserschutzes am rechten Ilzufer in Hals erinnert ein Leserbriefschreiber an die „einfache Lösung“ der Hochwasserprobleme nicht nur von Hals sondern auch der Stromlänge und der Freyunger Straße durch den Bau eines Sperrwerks auf Höhe der oberen Ilzbrücke, wie ihn bereits vor einiger Zeit ein Anwohner der Stromlänge vorgeschlagen hat.

Ein solches Absperrbauwerk – solche gibt es beispielsweise in den Niederlanden – würde die an der Ilz gelegenen Ortsteile vor Hochwasser, die durch Rückstau der Inn/Donau Hochwasser bedingt sind, schützen. Ein Hochwasserschutz in Hals selbst, wie er zur Zeit diskutiert wird, würde sich damit erübrigen. Der Abfluss der Ilz wird während der Zeit, in der das Sperrwerk geschlossen ist, über das Sperrwerk gepumpt. Hochwasser der Ilz selbst seien keine Gefahr, denn die Ilz allein „kann Hals nicht überschwemmen“.

Den Lösungsvorschlag „Errichtung eines Sperrwerkes an der Ilz“ hat das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf auf Wirtschaftlichkeit und Verwirklichbarkeit geprüft . Zu finden ist dies unter:http://www.wwa-deggendorf.de/hochwasser.bayern.de/hochwasserschutzprojekte/passau/doc/hws passau studie.pdf

Entgegen der Meinung des Leserbriefschreibers kann allerdings schon ein zehnjährliches Ilzhochwasser (HQ10) in Hals Schaden anrichten, geschweige den ein hundertjährliches (HQ100) mit einer Schüttung von 390 Kubikmeter pro Sekunde.

Beim Hochwasser 2002 (Donau: HQ50, Ilz: HQ20 – 50) trafen die Hochwasser von Donau und Ilz zusammen. Es hätten also damals bei einem Spitzenabfluss der Ilz in Höhe von 300 Kubikmeter pro Sekunde diese Menge über das Sperrwerk gepumpt werden müssen, selbst dann, wenn man soviel Wasser wie möglich aus dem Stauraum des Kraftwerks Oberilzmühle vorher abgelassen hätte.

Die Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes legen dar, dass "auch unter Berücksichtigung einer optimalen Retention in der Oberilzmühle eine Pumpleistung von mindestens 190 m3/s erforderlich ist. Das ergibt eine zu installierende Pumpleistung im Bereich von 10 - 11 MW, das entspricht etwas der 3-4-fachen Leistung des Kraftwerks Oberilzmühle. Dieser immense Energiebedarf kann aller Voraussicht nach nicht über das örtliche Stromnetz bezogen werden und müsste entweder über ein eigenes Kraftwerk vor Ort oder über eine zu errichtende 100kV-Hochspannungsleitung zugeführt werden."

Die gemäß dem Gutachten der Wasserbauer notwendigen 19 Pumpen mit je einer Förderleistung von 10m3/s erfordern eine Schöpfwerksbreite von über 100 m.  "Somit wäre der gesamte Talraum im Bereich der Ilzbrücke lediglich durch das Schöpfwerk belegt." Größere Pumpen wären zwar grundsätzlich technisch möglich, sind aber unwirtschaftlicher, weil sie eine noch größere Mindesteintauchtiefe benötigen und damit die Tiefbaukosten erheblich vergrößern.

Das abschließende Fazit der Wasserbauer ist ernüchternd:

„Auf Grund der oben dargelegten Gründen scheitert diese Lösung an den örtlichen Begebenheiten. Es ist nicht möglich, ausreichendes Retentionsvolumen in einem angemessenen Zeithorizont zur Verfügung zu stellen, um damit die zu installierende Pumpleistung auf ein technisch realisierbares und wirtschaftlich vertretbares Niveau zu senken. … Das Schadenspotential an der Ilz in den Abschnitten Hals, Stromlänge und Freyunger Straße wurde in einer Studie 2009 mit rund 25 Mio. abgeschätzt. Das Sperrbauwerk mit einer notwendigen Pumpleistung von mindestens 190 Kubikmeter pro Sekunde würde ein Mehrfaches kosten.“

Doch der Ideengeber für das Sperrwerk Ilz gibt sich nicht so leicht gechlagen. "Wie kann es möglich sein", so frägt er, dass "beim Speicherkraftwerk Jochenstein zwei Pumpen mit einer Leistung von 42 Kubikmeter pro Sekunde bei einer Förderhöhe von 335,26 m (statt 4 m bei der Ilz) geplant werden können? An der Ilz aber sei nicht genug Platz für drei solcher Pumpen, die das Ilzwasser über das Sperrwerk pumpen könnten. Was in Jochenstein möglich ist, müsse doch auch in Passau möglich sein."

Allerdings, wenn mindestens 190 Kubikmeter pro Sekunde über das Sperrwerk gepumpt werden müssen, braucht man schon 5 solcher Pumpen.

Klaus Schürzinger

04.06.2018