Seiteninterne Navigation

Freie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband BayernFreie Wähler Landesverband Bayern

Navigation

 

Aktuelles

Seiteninhalt

Problem Luftschadstoff Stickoxide

Problem Luftschadstoff Stickoxide

Gesundheitsgefährdung durch Stickoxide

Stickstoffdioxid wirkt reizend auf Schleimhäute in den Atemwegen und in der Lunge. Akut treten Hustenreiz, Atembeschwerden und Augenreizungen auf, besonders bei empfindlichen und vorgeschädigten Personen.

Rückgang der Stickoxid-Emissionen in den letzten 25 Jahren

Am 23.06.2017 teilt das Umwelt Bundesamt mit, dass die Stickoxid Emissionen gesunken seien, die Belastung aber immer noch zu hoch sei. Zwischen 1990 und 2015 habe sich der Ausstoß von Stickstoffoxiden von jährlich 2.886,63 auf 1.186,15 Kilotonnen verringert, das ist ein Rückgang um 59 Prozent. Das sei erfreulich, bedeute aber nicht, dass das Stickstoffoxid die Gesundheit der Menschen nicht mehr gefährde.

Umgerechnet auf die von den Luftmessstationen gemessenen Stickstoffoxid-Jahresmittelwerten bedeutet dies, dass bei verkehrsnah gelegenen Messstationen der Mittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahr 1995 auf 39 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahr 2016 gesunken ist, bei Messstationen für städtischen Hintergrund von 31 auf 21 Mikrogramm pro Kubikmeter. (Ausreißer die Messtation Passau Stelzhamerstraße mir 33 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahr 2017!)

Der Anteil des verkehrsnahen Messstationen mit Überschreitung des Grenzwertes für das Stickoxid-Jahresmittel ging von 70% im Jahr 2010 auf 45% im Jahr 2017 zurück. Der Rückgang der Stickoxid-Emissionen verlangsamte sich seit dem Jahr 2009, da spätestens seitdem von mehreren Herstellern die Diesel-Abgasreinigung mit illegaler Abschaltsoftware ausgestattet wurde.

Die Situation hat sich also in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert, sondern verbessert. Dennoch gefährden Stickoxide weiterhin die Gesundheit besonders von Menschen, die in Ballungsräumen leben.

Unterschiedliche Grenzwerte für außen und innen

Die unterschiedlichen Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter für Straßen und Büros und von 950 Mikrogramm pro Kubikmeter für Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk irritieren.

Für Büros gilt die Arbeitsstättenverordnung: „In geschlossenen Arbeitsräumen muss gesundheitlich zuträgliche Atemluft in ausreichender Menge vorhanden sein. In der Regel entspricht dies der Außenluftqualität, die die EU mit 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festlegt.“

Für Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk gilt die Gefahrenstoffverordnung: „Bei Tätigkeiten in Schweißereien, Autowerkstätten, Tunnelbaustellen oder beim Stahlkochen gilt der Grenzwert 950 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Diskrepanz der unterschiedlichen Grenzwerte wird so begründet:

Der Grenzwert für Arbeitsplätze von 950 Mikrogramm pro Kubikmeter gilt für Erwachsene, die jeweils acht Stunden am Arbeitsplatz verbringen, also 40 Stunden pro Woche. Den Rest der Zeit kann sich der Körper wieder von der Schadstoffbelastung erholen. Unter diesen Umständen halten Arbeitsmediziner eine Belastung bis zu 950 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft für unschädlich.

Der Grenzwert für die allgemeine Umweltbelastung gilt auch für Babys, Kleinkinder, chronisch Kranke, ältere Personen, die dem Schadstoff rund um die Uhr ausgesetzt sind, wenn sie zum Beispiel an einer vielbefahrenen Straße wohnen.

Studie des Deutschen Forschungszentrums für Gesundheit und Umwelt in München

Das Umweltbundesamt beauftragte das Deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt mit einer epidemiologische Studie, deren Befunde es ermöglichen, auf die Folgen des Luftschadstoffs Stickstoffdioxid auf den Menschen zu schließen.

Das Umweltbundesamt gab folgendes Ergebnis der Studie bekannt:

„Der Luftschadstoff Stickstoffdioxid ist für 6.000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich“. Diese Zahl errechnete das Institut aus mehr als 350 internationalen Studien und zahlreicher Tabellen in mühevoller Fleißarbeit. „Die Münchner kamen auf folgende Zahlen. Acht Prozent der bestehenden Diabetes-mellitus-Erkrankungen seien in Deutschland im Jahr auf Stickstoffdioxid in der Außenluft zurückzuführen, dies entspreche etwa 437 000 Krankheitsfällen. Bei Asthma liege der prozentuale Anteil der Erkrankungen, die auf die Belastung mit Stickstoffdioxid zurückzuführen seien, mit rund 14 Prozent sogar noch höher, was etwa 439 000 Krankheitsfällen wären.“ (Stefanie Kara und Jan Schweizer in Die Zeit vom 15.03.2018 )

Natürlich lässt sich nicht nachweisen, dass bei einem Verstorbenen der Herzinfarkt oder der Asthmaanfall durch eine jahrelange Stickstoffdioxidbelastung verursacht wurde. Der Zusammenhang von Erkrankung und Schadstoffbelastung kann nur statistisch angegeben werden. Die Ergebnisse der Studie können aber auch statt mit den statistisch ermittelten 6.000 Toten verständlicher auch durch die Anzahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitiges Versterben beschrieben werden. Laut der Studie kosteten im Jahre 2014 die durch Stickstoffdioxide verursachten Erkrankungen insgesamt 50.000 Lebensjahre. Umgerechnet auf den Einzelnen errechnen sich für jeden Einzelnen acht verlorene Stunden im Jahr 2014. Dies klingt viel weniger dramatisch als die „6 000 Dieseltote“, beschreibt aber dasselbe Ergebnis der Studie.

Das Dilemma epidemiologischer Studien ist, dass sie keine Beweise dafür liefern, das Stickstoffdioxid die Ursache für Herzinfarkte oder Diabetes ist. Sie können nur wahrscheinliche Zusammenhänge aufzeigen.

Beim Thema Luftschadstoffe scheiden sich die Geister

Quelle: Homepage der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH):

"Die Luftverschmutzung hat nicht nur verheerende Folgen für die Umwelt, sondern auch für die Menschen. Die Abgase von Lastwagen, Pkw, Bussen, aber auch Baumaschinen, Diesellokomotiven und Holzöfen verursachen Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen. Allein in Deutschland sterben nach Schätzungen der Europäischen Umweltagentur (EEA) jährlich ca. 66.080 Menschen, in der EU insgesamt 428.000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Feinstaubbelastung."

"Stickstoffdioxid ist ein Reizgas, das die Atemschleimhäute angreift, die Atemwegsfunktionen beeinträchtigt und zu Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen führen kann. Bei normalen Konzentrationen in der Luft kann man NO2 weder sehen noch riechen. Besonders Kinder Asthmatiker  und kranke Menschen sind gefährdet. Die oxidierende Wirkung führt auch bei der Vegetation und Boden zu Schäden."

Quelle: Homepage der DUH

DUH-Messaktion: "Dieses Abgas tötet."

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat das Ergebnis ihrer bundesweiten Messaktion "Decke auf, wo Atmen krank macht" veröffentlicht. Laut DUH sind in Bayern zwei Messstellen in München und Passau an der Spitze der am meisten belasteten Orte.

Laut DUH-Übersichtstabelle

Der am meisten NO2-belastete Ort in Bayern:

München: DEBY115 =Landshuter Allee         80,0 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft

Der am zweit-meisten belastete Ort in Bayern

Passau: Kirchenplatz                                 67,0 Mikrogramm pro Kubikmeter

(Die Messwerte für Passau wurden von Herrn Bernd Sluka, VCD, erstellt. Da es sich beim Messwert in der Landshuter Allee um einen Jahresmittelwert handelt, bei den Messwerten von Sluka jedoch um die Messwerte vom 3. bis 31. Juli 2107, sind die Messwerte nicht unbedingt vergleichbar.  Schwer erklärbar bei dieser DUH-Messwerttabelle ist auch, dass der Wert für die Messstelle Passau/Mariahilfstraße mit 29,8 weniger als die Hälfte des Messwertes des Kirchenplatzes beträgt. Im Gegensatz zum Kirchenplatz, der weit und offen ist, ist die Mariahilfstraße eine enge, schluchtartige Straße, in der typischerweise eine höhere Schadstoffbelastung gemessen wird als an aufgeweiteten Plätzen, wie der  Kirchenplatz einer ist.  Dabei fließt durch den Kirchenplatz und die Mariahilfstraße derselbe Verkehr. Der Wert am Kirchenplatz wurde laut DUH-Angabe von Sluka gemessen, der in der Mariahilfgasse von DUH.)

Quelle Ärzte Zeitung, 22.03.2017

Bericht über den Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungstechnik in Stuttgart

Wie schlimm steht es denn um die Luftqualität in deutschen Ballungsräumen und in Europa?

Interessanterweise sehen selbst Lungenspezialisten dieses Thema verschieden. Das kann man etwa aus der Haltung der beiden Tagungspräsidenten ablesen - beides in Stuttgart tätige Pneumologen: So unterstützt Professor Martin Kohlhäufl, bis vor kurzem Chefarzt an der Klinik Schillerhöhe, die Feinstaub-Kampagne der Stadt, wofür sich der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn ausdrücklich bedankt. Professor Martin Hetzel, Chefarzt am Krankenhaus vom Roten Kreuz, hält hingegen den "Antifeinstaub- Alarmismus" für unangemessen. Denn eine akute Gesundheitsgefährdung liege während dieser Tage gar nicht vor. "Die Schadstoffbelastung der Luft ist heute in Deutschland so gering wie in den zurückliegenden 15 Jahren nicht", sagte Hetzel der "Ärzte Zeitung". Er habe noch nie ein "akutes Feinstaubsyndrom" diagnostiziert. Vermehrt Asthma- und COPD-Patienten sehe er in Tagen des Feinstaubalarms ebenfalls nicht in der Klinik. Die Anstrengungen zur weiteren Reduktion der Luftschadstoffbelastung müssten weitergehen, betont auch Hetzel. "Dies sollte aber entideologisiert erfolgen". Kohlhäusl kündigt für den Pneumologenkongress in Stuttgart eine Zusammenschau wesentlicher Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekts "ESCAPE" (European Study of Cohorts for Air Pollution Effects). Diese sind teilweise überraschend: So ergab eine Analyse über 300.000 Probanden aus 17 europäischen Kohorten einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Feinstaubpartikeln bis PM 10 und Lungenkrebs, aber keine Risikoerhöhung für Stickstoffdioxid. Niedrige Lungenfunktionswerte fanden sich in Abhängigkeit von PM10 und NO2, aber nicht für andere Schadstoffe. Die Langzeitexposition mit Schadstoffen war nicht mit Symptomen der chronischen Bronchitis assoziiert. Und das Risiko für Asthma bei exponierten Kindern ist nicht erhöht.

Quelle Stuttgarter Nachrichten

Professor Dr. med. Köhler

Deutscher Lungenexperte; von 2002 bis 2007 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie; Lehre an den Universitäten Marburg und Freiburg; 28 Jahre ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg; seit 2103 im Ruhestand

Köhler hat keinen Job zu verlieren. Deshalb sei er einer der ganz wenigen, sagt er, die sich erlauben könnten, die Studien zu Feinstaub und Stickoxiden zu kritisieren. Bei der Debatte um Autoabgase geht es seiner Ansicht nach in Wahrheit gar nicht um die Gesundheit der Bevölkerung. Es gehe um Arbeitsplätze und Forschungsgelder, um Opportunismus  und um Ideologie. "Meine Kollegen bestätigen mir unter der Hand, dass ich Recht habe", sagt Köhler. Köhlers Botschaft lautet: Die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickoxide werden aufgebauscht. Die bisherigen Studien hätten allenfalls eine minimale Erhöhung des Gesundheitsrisikos an vielbefahrenen Straßen festgestellt, sagt er. Der Einfluss von Feinstaub und Stickoxid auf die menschliche Gesundheit sei minimal im Vergleich zu Faktoren wie  Rauchen und Alkohol. Die beiden letzten Faktoren seien in den Studien aber gar nicht berücksichtigt worden, sagt Köhler. Deshalb könne man aus diesen Werten keine verlässlichen Schlüsse ziehen - nur Trugschlüsse. "Laut den Studien leben die Leute in Sevilla an vielbefahrenen Straßen länger", sagt er, "Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass Feinstaub das Leben verlängert, wäre genau so unsinnig wie das, was jetzt behauptet wird." "Man hat das Thema Luftschadstoffe Stück für Stück aufgeblasen, bis die Politik nicht mehr anders konnte und irgendwelche Grenzwerte und Verordnungen erließ", meint er. Köhler fährt einen Diesel, weil der weniger Kohlendioxid ausstößt. Das Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt, hält er für ein viel wichtigeres Problem. "Im Moment müssen Städte wie Stuttgart ihr Geld für den Kampf gegen Feinstaub und Stickoxid verplempern." Geld, das an anderer Stelle fehle.

Quelle: Interview des mdr mit

Prof. Dr. Matthias Klingner , Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI Dresden

Was it das Problem?

Klingner: Das Umrüsten von Fahrzeugen auf Elektroantrieb insbesondere für den öffentlichen Nahverkehr ist mit Sicherheit sinnvoll. Aber lösen wird es das Problem nicht. Die Zusammenhänge von Feinstaub und Stickoxid ist ein motor-technisches Problem. Wenn wir wenig Partikeln - also Feinstaub - austoßen wollen, müssen wir die Temperatur des Motors erhöhen, um den Kraftstoff vollständig zu verbrennen. Dann steigen aber die Stickoxid-Emissionen. Beides kann man schwer reduzieren. Aber eigentlich gibt es ein sehr einfache Lösung für das Problem: Wir haben vor Jahren die Problematik der Feinstaubbelastung in der Luft untersucht und wir haben aus große Datenmengen festgestellt, dass die Feinstaubgenzwerte schlicht gesagt Unsinn sind.

Inwiefern?

Das kann man ganz einfach erklären. Etwa 90 % dessen, was wir an Feinstaub messen, hat ganz natürliche Ursachen.  Bis zu 40 Mikrogramm an Feinstaubbelastung ist allein auf die Sonneneinwirkung zurückzuführen, also ganz natürlichen Ursprungs. Im Vergleich dazu kann man an verkehrsreichen Straßenbis bis zu 8 Mikrogramm dem Verkehr zuordnen. Davon kommen vier Mikrogramm wirklich aus dem Auspuff und davon vielleicht die Hälfte von Nutzfahrzeugen. Wenn man das hochrechnet auf das, was aus dem Diesel-Pkw kommt, dann sind das vielleicht 1,5 bis 1,7 Mikrogramm.

Die Effekte, dass wir Überschreitungen haben, sind meteorologisch bedingt und können durch menschliche Vorschriften nicht reduziert werden. Wenn man diese Richtlinien wegließe, dann könnte man die Motortemperatur wieder absenken auf ein Niveau wie bei Euro 2 oder 3, würde dadurch die Stickoxid-Emission verringern und das Probelm wäre weitgehend geklärt. Auswirkugnen auf die Gesundheit hätte es nicht im Geringsten.

Das Verbannen von Autos ist also unnötig?

Ja, das ist weitgehend Unsinn, muss man ganz deutlich sagen. Das Gesundheitsrisiko wird maßlos überschätzt und übertrieben, die Horrorzahlen von Feinstaubtoten oder Stickoxidtoten ist reiner Populismus. An dem Feinstaub, den wir messen, ist noch kein Mensch gestorben, so Prof. Klingner.

 

Nachtrag am 26.04.2018:

In ihrem Artikel "Das Heilsversprechen von Remmingen" berichtet die Süddeutsche Zeitung vom 26.04.2018, dass die Firma Bosch eine neue Technik entwickelt habe, "die den Diesel retten  und auch strengere Grenzwerte deutlich unterschreiten" könne und somit einen "Druchbruch", ja sogar eine "Revolution" darstelle. Lediglich 13 Milligramm Stickoxid pro Kilometer stoße der Mittelklasse-Wagen  nach dem RDE-Standard (Real Driving Emission) aus. Das ist nur ein Zehntel des von 2020 an in Europa geltenden Grenzwertes von 120 Milligramm. Der Ausstoß bleibe selbst bei niedrigen Außentemperaturen, aggressivem Fahrstil und starken Steigungen unter 50 Milligramm." Technisch wird dies erreicht durch ein "Temperatur-Management, das die Abgase stetig warm hält und somit eine effiziente Reinigung ermögliche. Zweitens durch ein Luftsystem, das auch einen dynamischen Fahrstil ausgleicht."

Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt diese Entwicklung, da es nun in Zukunft technisch kein Problem mehr sei, die künftigen Grenzwerte zu unterschreiten.

 

Klaus Schürzinger,

27.03.2018