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Hochwasserschutz und Staustufen-Management

Das Ilz-(fast!)Jahrhundert-Hochwasser am 16.03.2019 brachte wieder den oft wiederholten Vorwurf zu Tage, dass für die Kraftwerksbetreiber, wie z.B. die Stadtwerke Passau als Betreiber des Ilzkraftwerks Hals und Oberilzmühle oder die Grenzkraftwerke GmbH als Betreiber des Innkraftwerks Ingling, "wirtschaftliche Interessen über Personen- und Gebäudeschutz stehen". Außerdem sei es "absolut unverständlich, dass nach dem Jahrtausendhochwasser  im Jahr 2013 immer noch bis zum letzten Drücker mit dem Ablassen des Wassers gewartet wird". Beim Staustufenmanagement gebe es "nach wie vor noch ein großes Verbesserungspotential".

 

Dieser Vorwurf basiert auf zwei Fehlinformationen.

  1. Wann die Vorabsenkung der Oberwasserpegel zu beginnen hat, ist durch Wasserrechtsbescheide festgelegt und liegt nicht im Ermessen der Kraftwerksbetreiber. Die Vorabsenkung erfolgt automatisiert bei einem festgelegten Pegelstand an einer der Pegelmessanlagen im Oberlauf der Kraftwerke gemäß Wasserrechtsbescheid. Erst bei Großhochwässern erfolgt eine personelle Besetzung der Kraftwerksanlagen, die dann den Anweisungen einer übergeordneten Behörde, die bestimmt, welche Pegelstände einzuhalten sind, Folge leistet.
  2. Staustufenmanagement hat nur ein geringes theoretisches Potential zur Scheitelkappung eines Hochwassers, welches noch dazu im Hochwasserfall nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht. Optimale Staustufensteuerung ist somit kein planbares Element des Hochwasserschutzes und kann infolgedessen Flutpolder oder Speicherkraftwerke nicht ersetzen. Die TU München hat im Rahmen der vertieften Wirkungsanalyse zwei verschiedene Hochwasserereignisse (HQ100 und HQ100+15%) untersucht. Das ermittelte theoretische Potential, erreichbar durch Staustufenmanagement, liegt bei 1,0 bis 2,2% Scheitelreduktion bei HQ100 deutlich unter der mit Flutpoldern erzielbaren Scheitelreduktion. Es zeigt sich auch, dass bei noch größeren Hochwasserereignissen das Potential geringer wird (0,6 bis 1,8%). Mit diesem theoretischen Potential kann aber nicht einmal fest gerechnet werden, da es nicht immer zur Verfügung steht, z.B. aufgrund einer möglichen kritischen Überlagerung von Vorabsenkungswelle und seitlichem Zufluss. Ein weiteres Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass im Staubereich der Kraftwerke entstandene Verlandungen ohne Einfluss auf den Hochwasserabfluss sind. Die oft geforderte Ausbaggerung dieser Verlandungen bewirkt also keine Verbesserung des Hochwasserschutzes.

Fazit: Mit Staustufenmanagement allein lässt sich die Scheitelwelle eines hundertjährlichen Hochwasser nur um circa 1%, wenn überhaupt, kappen. Hochwasserrisikomanagement geht daher deutlich über Staustufenmanagement hinaus. Zu den Akteuren zählen neben der Wasserwirtschaft auch Raumordnung, Naturschutz, Land-und Forstwirtschaft, örtliche Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz. Laut Art. 45 des Bayerischen Wassergesetzes ist für das Hochwasserrisikomanagement das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zuständig. Dieses Ministerium hat das Bayerische Landesamt für Umwelt mit der Organisation der Umsetzung beauftragt. Das Landesamt für Umwelt hat die fachlichen Grundlagen der Risikobewertung erarbeitet und wird dabei von den Wasserwirtschaftsämtern mit ihren örtlichen Fachkenntnissen unterstützt.

 

Klaus Schürzinger

26.03.2019