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Hochwasserschutz Gottfried-Schäffer-Straße

Die Herren Friedrich Brunner, Dr. Werner Kraus und Frau Monika Fecher vom Bürgerkommitee zur Rettung der Innpromenade haben der Passauer Neuen Presse und allen Passauer Stadträten die Stellungnahme "Einige Anmerkungen zu den Hochwasserschutzeinbauten in der Innpromenade" von Dipl.-Ing. Christoph Schröder, Bauingenieur, Passau vorgelegt und darum gebeten, sich mit den darin geäußerten Bedenken gegen den geplanten Hochwasserschutz dringend auseinander zu setzen.

Das tat die FWG und nimmt dazu Stellung.

Grundwasserdurchlässigkeit des Hochwassergrundschutzes

Es gibt natürlich Grundschutzbaumaßnahmen, die ein Durchsickern von Grundwasser in den Untergrund völlig verhindern. In der Gottfried-Schäffer-Straße sind aber Baumaßnahmen ohne  Untergrundabdichtung geplant, jedoch mit Sickerwegsverlängerung. Eine völlige Abdichtung des Grundwasserzuflusses ist nicht vorgesehen. Das bedeutet, dass die Grundwasserpegel unter den vom Hochwasser gefährdeten Gebäuden, ähnlich wie bisher auch, mit den Innpegeln steigen und fallen werden. Dies ist notwendig, da ein ständiges Abpumpen von Grundwasser wie in Mexiko City, und damit verbunden der permante Abfall des Grundwasserspiegels, die Standfestigkeit der Grundmauern der Häuser beeinträchtigen würde. Nur wenn die Grundwasserpegel über Geländeoberkante steigen, wird Wasser mit Hilfe des Schöpfwerks zum Schutze der Wohnungen über den Hochwasserschutz in den Inn zurück gepumpt.  Im Gegensatz zur Aussage in den Anmerkungen von Herrn Dipl. Ing. Schröder wird eben nicht verhindert, dass die Keller überschwemmt werden.  Über Jahrhunderte sind die Grundwasserpegel je nach Pegelstand des Inns gestiegen und gefallen. Bei Niedrigwasser floß das Grundwasser in den Inn ab und fließt mit dem Steigen des Inns wieder ein. Das tat es in der Vergangenheit und wird es auch nach dem (eventuellen) Bau eines Hochwasserschutzes tun, wenngleich mit verminderter Geschwindigkeit. Dennoch wurden durch dieses Ein-und Abfließen des Grundwassers offensichtlich keine Feinpartikel des Sandes ausgeschwemmt. Die von Schröder befürchteten Gefahr von "erheblichen Schäden an den Fundamenten" und die damit verursachten "bedenklichen Risse in den gemauerten Hauswänden" wurde nicht "vollständig übersehen", sondern die Durchlässigkeit des Hochwasserschutzes für Grundwasser soll dafür sorgen, dass die bisherigen Verhältnisse der Grundwasserpegel bei Normalwasserhöhen erhalten bleiben und die Gefährdung der Häuser durch permanenten Grundwassertiefstand ausgeschlossen wird.

Verankerung der Grundschutzmauer im tragfähigen Baugrund

Stadtrat Klaus Schürzinger glaubt nicht, wie vom Kommitee unterstellt, dass der Grundschutz  "im Sand ohne Verbindung zum festen Untergrund schwebe". Er ruht vielmehr auf Bohrpfählen, die im tragfähigen Baugrund verankert sind, und kann deswegen auch nicht "unweigerlich langsam versinken". Eine hohe Standfestigkeit des Grundschutzes ist von großer Bedeutung, da er bei Aufbau der mobilen Elemente im Hochwasserfall hohen Wasserdrucken ausgesetzt ist.

Untergrundverhältnisse

Dipl. Ing. Christoph Schröder geht davon aus, "die Häuser in der Gottfried-Schäffer-Straße und im Unteren und Oberen Sand auf einer Sandschicht von 14 m Höhe stehen".

Die Untergrundverhältnisse im Bereich des geplanten Hochwasserschutzes wurden im Jahre 2016 durch Bohrungen und Sondierungen bis zum kompakten Fels erkundet. Gemäß dem geotechnischen Bericht des beauftragten Gutachters vom 28.08.2016 steht unter anthropogen geprägten Schichten, Kiesen und Sanden und teilweise Gneiszersatz in Tiefen von 5 - 10 m unter Gelände harter, teils klüftiger Cordieritgneis."

Schluckbrunnen

Als wesentliche Baumaßnahmen des Hochwasserschutzes sind nach Schröder "Schluckbrunnen hinter der Bohrpfahlwand" geplant. Sie würden dazu dienen "das hinter dem Verbau eingedrungene Grundwasser sowie das Oberflächenwasser, das durch den Verbau am Abfließen behindert wird", aufzufangen und im Hochwasserfall in den Inn zurückzuführen."  Nach Aussagen des Wasserwirtschaftsamtes sind jedoch Schluckbrunnen, die dazu dienen, Oberflächenwasser dem Grundwasser zuzuführen, nicht vorgesehen. Wenn das Grundwasser zusammen mit dem angefallenen Oberflächenwasser die Geländeoberfläche übersteigt, wird es über Leitungen dem Schöpfwerk zugeführt und in den Inn gepumpt. Da nach Schröder das in den Schluckbrunnen aufgefangene Oberflächenwasser und das von den Seiten zugelaufene Grundwasser wegen der Dichtigkeit der Bohrpfahldichtwand nicht abfließen kann, müsste das in diesen Brunnen anfallende Oberflächenwasser von Zeit zu Zeit auch bei Niedrigwasser abgepumpt werden. Dies ist nicht geplant, da der Grundschutz für Grundwasser durchlässig ist.

Hauptabwasserkanal

Der Hauptabwasserkanal verläuft unter Theresienstraße, der Innpromenade und dann unter dem Innkai Richtung Klärwerk und liegt damit im Bereich des Hochwasserschutzes. Die Planungen berücksichtigen die dadurch notwendig werdenden Maßnahmen. Vordringlich muss dafür Sorge getragen werden, dass im Hochwasserfall nicht Innwasser durch den Kanal in den geschützten Bereich eindringen kann. Dies geschieht mittels eines Schiebers, der dies verhindert. Sorgen bereitet eher die Frage, ob nicht noch irgendwelche alte Kanäle vorhanden sind, von deren Existenz nichts mehr bekannt ist.

Verschlechterungsverbot

Laut Herrn Schröder wird sich nach dem Bau des Hochwasserschutzes bei einem Hochwasser wie das aus dem Jahr 2013"das Hochwasser nach Osten in die Innstadt verbreitern". Außerdem könnte sich die Strömung entlang des Verbaus beschleunigen, da die Reibungswiderstände durch das Auflaufen des Hochwassers über das linkseitige Ufer entfallen und der Inn längs in einer Außenbiegung fließt". Die gesetzlichen Auflagen besagen jedoch, dass bei dem Bau eines Hochwasserschutzes bei den Gegen-, Ober und Unterliegern keine "wesentliche Verschlechterung" der Hochwassersituation eintreten darf. Alle zur Diskussion stehenden Varianten des Schutzes wurden hydraulischen Berechnungen unterzogen und diejenigen Varianten ausgeschieden, die eine Verschlechterung der Hochwassersituation in der Innstadt oder eine Gefährdung der Innbrücke bedeutet hätten.

Die Befürchtung, dass sich die Strömung entlang des Hochwasserschutzes beschleunigen wird, widerspricht den bisherigen Erfahrungen bei Hochwasserereignissen. Im Bereich der Bucht Gottfried-Schäffer-Straße entstand bisher immer ein Kehrwasser mit ernormen Schlammablagerungen.

Enge des Donautals nach dem Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz

Viele Passauer werden den Verdacht nicht los, dass die Lüftenegger-Inseln mit ihrem Baumbewuchs und die vorgelagerte Kiesbank den Querschnitt des Flusstals so verengen, dass dadurch die Wassermassen aufgestaut werden und sich die Hochwassersituation in Passau dadurch verschlimmert. Auch Herr Schröder schreibt, dass "für beide Flüsse im Hochwasserfall der Donaudurchbruch zu schmal" sei. Um diesen Verdacht zu bestätigen oder zu widerlegen, wurde das Wasserwirtschaftsamt beauftragt, entprechende hydraulische Untersuchungen vorzunehmen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass selbst ein totales Wegbaggern der Lüftenegger-Inseln und der vorgelagerten Kiesbank unterhalb der Ortsspitze bei einem hundertjährigen Hochwasser nur einen Aufstau im cm Bereich auf Höhe der Ortspitze zur Folge hätte. Eine solche Ausbaggerung würde aber gleichzeitig  bedeuten, dass die Pegel unterhalb der Ausbaggerung auf Höhe der Zahnradfabrik um einige cm ansteigen und diese gefährden würden.

Weigerung der Kraftwerksbetreiber, die Überläufe rechtzeitig zu öffnen

Dieser auch von Herrn Schröder wieder erhobene Vorwurf, dass die Kraftwerksbetreiber die Überläufe aus Gewinnorientierung zu spät öffnen, trifft nicht zu. Diesen ist in Wasserrechtsbescheiden exakt vorgeschrieben, wann sie wieviel Wasser ablassen müssen. Für das Kraftwerk Ingling sieht dies so aus:

  • bis zu einer Prognose von 1.200 m3/s Normalstau 303,00 m ü.NN
  • Wenn Zuflussprognose (Vorschauzeit 8 Std)  > 1.200 m3/s dann Absenkungsbeginn
  • Absenkung um 3 m auf 300,00 m ü. NN entsprechend Staukurve
  • Absenkungsziel 300.00 m ü.NN muss erreicht sein bevor Pegel Schärding 304,00 m ü. NN
  • zur Stauabsenkung abgegebene Zusatzwassermenge darf stündlich um max. 75 m3/s gesteigert werden
  • Wiederaufstau erst ab Unterschreitung 7,00 m am Pegel Passau-Ilzstadt

Schlammmassen

Herr Schröder fordert einen "Schlammfang vor der Staustufe Ingling, der regelmäßig ausgebaggert werden muss. Die Schlammauspülungen zu Lasten der Stadt Passau müssen ein Ende haben."  Ausbaggern in Ingling jedoch bewahrt Passau nicht vor der Schlammflut, da der größte Teil des Hochwasserschlamms nicht aus dem Stauraum Ingling kommt sondern aus dem gesamten Einzugsgebiet des Inns. Ganz abgesehen von der Frage, wie ein solcher Schlammfang technisch realisiert werden soll, führt ein Blick auf die gewaltigen Mengen der vom Inn transportierten Schwebstofffracht zu der Erkenntnis, dass dem Problem des Schlammeintrags in Passau bei einem hundertjährigem Hochwasser nicht durch Ausbaggerung in den Stauräumen der Kraftwerke beizukommen ist, ganz abgesehen davon, dass in Vogelschutz- und Naturschutzgebieten ein Ausbaggern nicht erlaubt ist. Laut einer Berechnung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ergeben sich für den Sedimenttransport des Inns für das Hochwasser 2013 in Passau Ingling folgende Werte:

Schwebstoffracht pro Kubikmeter  ca. 10kg / Kubikmeter (der Inn ist deutschlandweit der Fluss mit der höchsten Schwebstofffracht!)

Abfluss am 03.06.2013               rund 6.700 Kubikmeter / Sekunde

Ergibt 10x6.700x3.600 =             241.000.000 kg /Stunde

Dauer des Hochwassers ca 20 Std.

Gesamtsedimenttransport           rd. 4.820.000.000 kg = 4,82 Mio to = rd. 2,4Mio Kubikmeter

Durchstich der Mühlhamer Schleife und Hochwassergefahr für Passau

Herr Schröder fordert die Stadt Passau auf "sich vehement gegen eine Begradigung der Donau bei der Mühlhamer Schleife durch die Rhein-Main-Donau-AG einzusetzen". Denn "die dort geplante Donau-Kanalisierung führt zu einer steigenden Hochwassergefahr für Passau".

Abgesehen davon, dass der Durchstich der Mühlhamer Schleife zumindest während der Amtszeit von Ministerpräsident Horst Seehofer nicht geplant ist, erinnert diese Aussage  an diejenigen des Bundes Naturschutz, welcher davor warnte, dass "aus dem Fluß eine betonierte Wasserrinne" werde, "aus dem Fließgewässer ein Stausee,  dessen stehendes Wasser zur Brutstätte von Myriaden von Stechmücken" werde und dass "die Hochwassergefahr gerade für die flussabwärts gelegene Stadt Passau drastisch ansteigen" werde, weil durch die Beschleunigung der Donauhochwasserwelle durch Glättung der Ufer die Hochwasserspitzen von Donau und Inn in Passau zusammenfallen und zu Extremhochwässern führen werden.

Hydrologische Untersuchungen allerdings stellten fest, dass der Durchstich der Mühlhamer Schleife keine Erhöhung der Hochwassergefahr in Passau bedeutet. Dies ist verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass für das Schleusen der Schiffe im Durchstich zur Umgehung der Mühlhamer Schleife nur 2%  des Donauwassers benötigt werden, und 98% des Donauwassers in der Mühlhamer Scheife verbleiben. Bei einem Bau eines Durchstichs zur Schiffschleusung gäbe es daher kein stehendes Wasser in der Schleife. Mit Beton würde nur der Durchstich als Schleuse "kanalisiert", nicht aber die Donau. Im Hochwasserfall wäre der Betrieb der Schleuse ohnehin eingestellt. Eine spürbare Beschleunigung der Hochwasserwelle ist damit nicht verbunden und folglich auch keine Erhöhung der Hochwassergefahr in Passau.

für die FWG,

Klaus Schürzinger

23.05.2017