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Geschützte Radfahrstreifen

Umdenken beim Radwegebau

Jahrelang haben sich der ADFC und der VCD dafür eingesetzt, die Benutzungspflicht für Radwege aufzuheben und den Radlern mehr Platz auf der Fahrbahn zuzugestehen mit der Begründung, dass sie auf der Fahrbahn von den Autofahrern gesehen werden und deshalb sicherer als auf den oft zu engen und schlecht unterhaltenen Radwegen sind.

Nun stellt sich aber heraus, dass nur robuste und routinierte Radler sich dem Mischverkehr auf der Fahrbahn aussetzen im Bewusstsein, dass sie nicht von Rechtsabbiegern übersehen werden und somit vor den typischen Radwegunfällen gefeit sind. Aber die große Mehrheit der Radler befährt weiterhin die nicht benutzungspflichtigen Radwege, weil sie sich, eingekeilt zwischen parkenden Autos und fließenden Autoverkehr, auf der Fahrbahn nicht sicher und wohl fühlen. Welche Familie mit Kindern zum Beispiel will sich schon einer solch nervenaufreibenden Fahrt auf der Fahrbahn aussetzen? Sie wünschen sich separate Radwege, die sie vor starkem Verkehr und hohen Geschwindigkeiten durch physische Barrieren schützen.

Die Konsequenz, so ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork, daraus ist: „Entweder steigen sie (die Radfahrer) erst gar nicht aufs Rad oder weichen auf den Bürgersteig aus.“

Der ADFC überarbeitet auf Grund dieser Sachlage seine Position und will mit der neuartigen Infrastruktur „Geschützte Radfahrstreifen die „objektive und subjektive Sicherheit zusammenbringen“.

Auf Geschützten Radfahrstreifen werden Radfahrende durch physische Barrieren, wie Poller, Tröge, Pfosten und Ähnlichem, vom Autoverkehr getrennt. Vorbild für die Geschützten Radfahrstreifen sind die USA. Dort ist es in vielen Städten mit den sogenannten „Protected Bike Lanes“ gelungen, in relativ kurzer Zeit und mit begrenztem Aufwand nachweislich viele Menschen aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten aufs Rad zu bringen.

Der Erfolg wird verständlich, wenn man sich die vier Typen von Radfahrern und ihren Anteil am Radverkehr anschaut:

Typ 1: 1% : die Starken und Furchtlosen

Typ 2: 6% : die Begeisterten bis Überzeugten

Typ 3: 60% : die Interessierten, aber Besorgten

Typ 4: 33% : die Distanzierten, die eigentlich nie aufs Rad steigen

Die Amerikaner nennen ihre Radpolitik „AAA, Triple-A. Das dreifache A steht für All Ages and Abilities. Das Ziel ist, dass alle Altersgruppen und Fähigkeiten von 8 bis 88 Jahren das Rad nutzen können. Damit dies möglich ist, braucht man geschützte Fahrradwege abseits des Autoverkehrs.

Die Zukunft des Stadtverkehrs gehört dem Fahrrad. Der Boom der Pedelics und E-Bikes weist darauf hin. Die autogerechte Stadt funktioniert nicht. Ein Unfall am Anger und die ganze Stadt steht still, zig-Tausende leerer Autositze stehen dann auf den Straßen herum, nur noch die Radler gelangen an ihr Ziel.

Müssen wir aus der Vergangenheit lernen? Bis 1950 dominierte das Fahrrad mit durchschnittlich 40 % Anteil am städtischen Verkehr. Auf 100 Radfahrer kam ein Auto. Jeder Handwerker hatte ein Lastenfahrrad. Dann kam die autogerechte Stadt und dann der Stau.

Aber hüten wir uns davor

  • das Auto zu verteufeln, wir brauchen es jetzt und in Zukunft

  • die Radfahrer allesamt als Rowdies und Ideologen zu verdammen.

Was wir aber brauchen, ist offensichtlich eine Umverteilung des Anteils am Stadtverkehrs zu Gunsten der Radfahrer.

Quellen: ADFC Radwelt 3.18; Zeitmagazin Nr 27

Klaus Schürzinger,

12.07.2018