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Einkauf von "Dreckstrom"?

 

Einkauf von "Dreckstrom"?

Frau Ruth Geiger vom Energienetzwerk Passau wirft den Stadtwerken Passau in ihrem PNP-Leserbrief vom 27.10. 2018 „exzessiv zelebriertes Hofieren des Energieriesen E.ON“ vor und frägt, ob “es aus wirtschaftlichen Gründen tatsächlich unabdingbar“ sei, „den dreckigsten Strom einzukaufen und weiterzuverkaufen“, wenn der Kauf eines zertifizierten Ökostroms für einen 4-Personenhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4.000 kWh nur einen monatlichen Mehrpreis von nur 88 Cent ausmache.

Von einem „Hofieren“ von E.ON jedoch kann keine Rede sein. Die SWP kaufen von E.ON keinen Strom. Den Strom für die SLP-Kunden (d.h. Haushalts- und Kleingewerbekunden mit einem Jahresverbrauch bis zu 100.000 kWh) kaufen die SWP über „Plattform Energie“, einem Unternehmen, in dem sich kommunale Energieunternehmen zusammen getan haben, um ihre Energiebeschaffung zu bündeln. Den Strom für die Sondervertragskunden kaufen die SWP über die „Uniper Energy Sales GmbH“. Uniper ist ursprünglich eine Tochtergesellschaft von E.ON. E.ON hat jedoch seine Anteile an Uniper an das finnische Unternehmen Fortum verkauft. Somit ist dieses Unternehmen völlig unabhängig von E.ON. Die SWP Kunden „zapfen“ also keineswegs „aus Faulheit und Gleichgültigkeit E.ON-Strom“. Den gibt es bei den SWP nicht mehr.

Ein weiterer Vorwurf betrifft den Ökostrom, den die SWP nach Beschluss des Aufsichtsrates vom 15.05.2014 seit dieser Zeit an ihre SLP-Kunden liefern. Dieser Ökostrom sei zum einem „unsinnig“ und diene zum anderen nur dazu,“für die SWP Zusatzeinnahmen zu generieren“.

Der Kauf dieses zertifizierten Ökostroms aus skandinavischen Wasserkraftwerken ist in seiner Sinnhaftigkeit tatsächlich anzuzweifeln, da hier Normalstrom unter der Marke Ökostrom verkauft wird: ein klarer Fall von Greenwashing, um das Ökogewissen zu beruhigen.

Dass aber die SWP damit „Zusatzeinnahmen generieren“ könnten, verdreht die Tatsachen in das Gegenteil.

Der Preis von 0,024 ct/kWh für die Herkunftsnachweise belastete die SWP nur mit insgesamt 26.400 €. Diesen als „nicht gravierend“ erachteten Betrag übernahmen die SWP, ohne ihn auf ihre Kunden umzulegen. Mittlerweile sind jedoch die Preise für diese Herkunftsnachweise auf 0,265 ct/kWh gestiegen. Dies bedeutet, dass die SWP ihren Kunden einen Betrag in Höhe von 278.280 € zuschießen müssen. Die Kunden sollen nun selbst entscheiden, ob sie weiterhin diesen Ökostrom beziehen wollen, nun aber dafür bezahlen müssen. Der fällige Betrag ist für einen Kunden mit einem Verbrauch von 4.000 kWh im Jahr in der Tat geringfügig: Er beträgt, wie Bürgermeister Urban Mangold richtig errechnet hat, pro Monat nur 88 Cent.

Ein Blick in die in der Homepage der SWP veröffentlichten Stromkennzeichnung gemäß § 42 Energiewirtschaftsgesetz lässt erkennen, dass der Anteil Kernkraft- und Kohlestrom im Strommix der SWP erfreulich abgenommen hat. Betrug der Anteil an Kernkraftstrom im Bezugsjahr 2016 noch 19,1%, sind es jetzt nur noch 4,8%. Der Kohlestromanteil verringerte sich von 23,50% auf 5,9%.

Die SWP sind, wie diese Zahlen beweisen, sehr wohl bemüht, „ökologische Entscheidungen voranzutreiben“, wenngleich sie gleichzeitig darauf achten müssen, nicht in die Verlustzone zu geraten. Die schwarze Null ist das Ziel. Und die ist schwer genug zu erreichen, weil die SWP voll im Wettbewerb stehen und dazu noch die Verluste aus dem ÖPNV und dem Bad zu verkraften haben.

 

Klaus Schürzinger, 05.11.2018

SWP-Aufsichtsrat