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Der Innstadtverkehr. Ein Chaos?

Der Innstadtverkehr. Ein Chaos? Desolat?

Schon im Vorfeld des Beschlusses des Bebauungsplans „Ehemaliges Brauereigelände Innstadt“ in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vom 19.01.2016 flammte wegen des zu erwartenden Mehrverkehrs die kontroverse Diskussion über den Innstadtverkehr wieder auf.

Der Bund Naturschutz beklagt in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan „eine völlig überzogene Ausdehnung von Wohn- und Gewerbeeinheiten“, wodurch „die Leistungsfähigkeit des Stadtteils überschritten“ werde und fügt hinzu: „Durch die enorme Zunahme von PKW/LKW ergeben sich für die Menschen erhebliche gesundheitliche Gefährdungen“.

Die “Am Sonntag“ vom 17.01.2016 berichtet von zahlreichen Zuschriften „über das Verkehrschaos in der Passauer Innstadt“. Die Innstädter Bürger würden „endlich ein vernünftiges Verkehrskonzept für die Innstadt“ fordern, um dem „desolaten Passauer Verkehr“ abzuhelfen.

Die von der Stadt im Auftrag gegebene „Verkehrliche Voruntersuchung zum Entwicklungsvorhaben Innstadtbrauereigelände in Passau“ durch die „Ingenieurgesellschaft gevas für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik“ hat die Qualität des derzeitigen Verkehrs am 27.11.2014 am Knotenpunkt Kapuzinerplatz ermittelt und kommt zu folgendem Ergebnis:

„Die durchgeführten Leistungsfähigkeitsberechnungen für die Bestandsmengen in den beiden Spitzenstunden (7.15 – 8.15 Uhr und 16.15 – 17.15 Uhr) zeigen mit Ausnahme des Geradeausfahrers aus der Kapuzinerstraße in Richtung Schmiedgasse eine sehr gute Verkehrsqualität mit der Qualitätsstufe A ( der Verkehrsfluss ist frei; von 6 Stufen A – F). Der Geradeausfahrer erreicht jedoch auf Grund seiner hohen Verkehrsbelastung und der Vorfahrtsregelung als wartepflichtiger Strom morgens die Stufe C (Verkehrszustand stabil) und abends auf Grund der höheren Belastung des gesamten Knotenpunktes die Stufe D (Verkehrszustand noch stabil)“.

Also selbst während der morgendlichen und abendlichen Verkehrsspitzen sehr gute Verkehrsqualität für alle Verkehrsströme mit Ausnahme der Geradeausfahrer aus der Kapuzinerstraße, die morgens und abends eine Qualitätsverschlechterung von Stufe A auf C bzw. D hinnehmen müssen. Aber von “Chaos“ und „desolat“ kann keine Rede sein!

Wie aber wird sich die Situation darstellen, wenn die neuen Wohn- und Gewerbeeinheiten auf dem ehemaligen Brauereigelände fertiggestellt sein werden?

„gevas“ berechnet für die Verkehrssituation im Jahr 2025 einen Mehrverkehr von 700 Kfz/24h, davon 430 Kfz/24h für die Wohnnutzungen und 270Kfz/24h für die gewerblichen Nutzungen. Darüber hinaus werden ca. 500 Fußwege und Radfahrten zu erwarten sein.

Das bedeutet nach „gevas“ Gutachten, dass der Geradeausfahrer aus der Kapuzinerstraße wegen der Vorfahrt, die er dem Verkehr aus dem Neutorgraben Richtung Schmiedgasse gewähren muss, in der Morgenspitze eine Verschlechterung von der Qualitätsstufe C auf E, und in der Abendspitze eine solche von D auf F (überlastet) hinnehmen muss. „gevas“ schlägt deswegen vor, eine Änderung der Vorfahrtsregelung zu erwägen und dem Verkehr aus der Kapuzinerstraße Vorfahrt zu gewähren und den Neutorgraben als nachgeordnete Straße festzulegen.

Die Verkehrsplanungsabteilung der Stadt Passau hat sich jedoch nach gründlicher Abwägung für die Beibehaltung der jetzigen Vorfahrtsregelung entschieden. Diese wurde eingeführt, weil sich bei der Vorfahrt der Geradeausfahrer von der Kapuzinerstraße in die Schmiedgasse sich während der morgendlichen und abendlichen Verkehrsspitzen im Neutorgraben Staus bildeten, weil die Rechtsabbieger am Kapuzinerplatz nicht an den wartenden Verkehr in Richtung Schmiedgasse vorbei kamen.

Wie sich die Beibehaltung der jetzigen Verkehrsregelung am Kapuzinerplatz bewährt, ist abzuwarten. Jedenfalls ist der Verkehr in der Innstadt weder chaotisch noch desolat und daher kein Grund, die Bebauung des Brauereigeländes aus Verkehrsgründen einzuschränken. Die Lage des Geländes ist so zentral, dass viel Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden können. Wie bei der damals heftig umstrittenen Geradeausfahrt am Exerzierplatz, wird die Qualitätsstufe F (Überlastung) nicht in dem Maße eintreten wie vorhergesagt, weil Autofahrer lernen, so weit wie möglich die Verkehrsspitzen am Morgen und Abend zu meiden. Im Übrigen werden Wartezeiten durch Verkehrsüberlastung dann nicht als "Chaos" wahr- und klaglos hingenommen, wenn wie am Exerzierplatz eine Fahrtmöglichkeit gegen den Rat der Verkehrsplaner gefordert und durchgesetzt wurde. Wohl aber dann, wenn der Autofahrer, wie im Fall des Innstadtverkehrs, sich einbildet, dass durch den Bau einer Brücke in Achleiten oder eines aufwendigen Tunnels unter dem Inn die Verkehrssituation während der Stoßzeiten verbessert werden könnte.

Eine Brücke von Achleiten über die Donau in die Lindau, von der sich viele eine Lösung innstädtischer Verkehrsprobleme bei den morgendlichen und abendlichen Verkehrspitzen erwarten (während der übrigen Tageszeiten fließt ja der Verkehr ohnehin!), wird jedoch nicht kommen, weil es ohne Einbindung dieser Brücke in eine nationale und hier sogar internationale Verkehrsplanung keine Zuschüsse gibt und die Österreicher einen zusätzlichen Verkehr in das Donautal ablehnen. Ein solches zig-Millionenbauwerk baut man nicht, um damit  vermeintliche Innstädter Verkehrsprobleme zu lösen. Die Verkehrsplaner rechnen in der Tat vor, dass die Brücke mehr Verkehr in die Innstadt herein- als abziehen würde. Die Berechnungen von gevas aus dem Jahr 2010 ergaben, dass durch den Bau einer Donaubrücke in Achleiten ohne eine Südumfahrung der Innstadt der Verkehr in der Kapuzinerstraße um 35% (von 11 500 auf 15 500 Kfz), im westlichen Teil der Wiener Straße um 53% (von 8 500 auf 13 000 Kfz) und im östlichen Teil der Wiener Straße um 83% (von 6000 auf 11000 Kfz) ansteigen würde. (Verkehrsvermehrung in Grubweg 29%). Ein Alptraum!

Das mit dem Gestaltungsbeirat abgestimmte Vorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei ist ein städtebaulicher Gewinn für die Innstadt, ist zudem auch verkehrlich tragbar. Denn, auch bedingt durch den Wegfall des Brauereiverkehrs, fließt der Verkehr. Mit Beeinträchtigungen müssen, wie auch jetzt schon, nur die Geradeausfahrer von der Kapuzinerstraße in die Schmiedgasse bei der morgendlichen und abendlichen Verkehrsspitzen rechnen. Die allerdings können diejenigen, die das Glück haben, ihre Destination zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen zu können - und das sind mit Sicherheit mehr als man denkt - kalt lassen, sagt der passionierte Radfahrer,

Klaus Schürzinger,

20.01.2016